Donnerstag, 24. Mai 2018

German Autolabs tritt gegen Google und Apple an Millionen für Entwickler von intelligentem Beifahrer-Bot

German-Autolabs-Gründer Holger Weiss (l.) und Patrick Weissert
German Autolabs
German-Autolabs-Gründer Holger Weiss (l.) und Patrick Weissert

Wenn German Autolabs-Gründer Holger Weiss potentiellen Investoren sein Start-up erklärt, fragt er sie, ob sie gerade beim Autofahren ihr Smartphone benutzt haben. "Haben sie immer," sagt er. Der Griff zum Smartphone ist verboten, gefährlich - und für Millionen Autofahrer Alltag. Für Weiss ist es ein potentieller Milliardenmarkt.

Im Stealth-Modus entwickelt sein Start-up in Berlin-Kreuzberg seit fünf Monaten einen digitalen Beifahrer, der durch künstliche Intelligenz so smart mit dem Fahrer agieren soll, dass der sein Smartphone gar nicht mehr anfassen will. Mit manager-magazin.de hat Weiss erstmals über das neue Unternehmen gesprochen, in das der Technologie-Wagniskapitalgeber Target Partners und mehrere Business Angels nun zwei Millionen Euro stecken. Das Ziel: Eine Technologie zu entwickeln, die Fahrern besser als digitaler Co-Pilot beisteht als Apples Siri, Googles Assistent oder die Software der Autokonzerne.

Hinter German Autolabs steht ein erfahrenes Gründerteam: Holger Weiss gehörte zu der Mannschaft, die den Kartendienst Gate5 aufgebaut hat, aus dem später der Kartenspezialist Here entstanden ist, den Audi Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen und Daimler Börsen-Chart zeigen im vergangenen Jahr für rund 2,8 Milliarden Euro erworben haben.

Danach baute Weiss den Musikstreamingdienst Aupeo auf und verkaufte ihn 2013 an Panasonic Börsen-Chart zeigen. German Autolabs führt Weiss nun zusammen mit Mitgründer und Produktchef (Chief Product Officer - CPO) Patrick Weissert. Der hat für das Start-up seinen Job als Director Consumer bei Here aufgegeben, wo er ein 100-köpfiges Team führte und das gesamte Endkundengeschäft mit mehr als 25 Millionen Nutzern verantwortete.

Statt im Here-Hauptquartier in Berlin-Mitte sitzt Weissert nun mit Weiss und zwölf Mitarbeitern in einem Hinterhof eines früheren Kreuzberger Fabrikgebäudes. In einer Ecke des German Autolabs-Büros ist ein Test-Cockpit aufgebaut, zusammengelötet aus dem Armaturenbrett eines alten VW Golf und einem Ford-Lenkrad. Weiss sagt, dass sie den Sommer vor allem damit verbracht haben, intensiv potentielle Nutzer zu befragen. Seitdem ist er überzeugt: "Die Menschen nutzen ihr Smartphone während der Fahrt, weil es keine Technologie gibt, die sie einfach und intuitiv mit ihrem digitalen Leben verbindet - und das liegt vor allem an der fehlenden Intelligenz der bestehenden Lösungen."

Die Vision des Auto-Start-ups: Ein digitaler Assistent, der dem Fahrer genau zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen zur Verfügung stellt und die richtigen Angebote macht. "Wenn ich gerade an einem Autobahnkreuz bin, das ich nicht kenne, muss ich mich auf den Weg konzentrieren. Dann will ich nicht über neue Whatsapp-Nachrichten informiert werden. Wenn ich dagegen im Stau stehe, ist es sehr hilfreich, wenn ich neue E-Mails vorgelesen bekomme und Antworten sofort diktieren kann," sagt Weiss. Das Ziel von German Autolabs ist es, solche Situationen zu erkennen und den digitalen Beifahrer entsprechend mit dem Fahrer interagieren lassen. "Einen intelligenten Bot fürs Auto," nennt es Weiss. "Es geht darum den Informationsfluss speziell für die Situationen beim Autofahren zu kontextualisieren und zu priorisieren."

Dabei setzt German Autolabs besonders auf die Interaktion per Sprachsteuerung. "Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, Apps einfach ins Dashboard des Autos zu portieren", sagt Weiss. "Wenn die Hände am Steuer sein müssen, bietet sich die Steuerung per Sprache an." Weiss verweist darauf, dass mit Geräten wie dem Amazon-Echo die Steuerung digitaler Dienste durch die Sprache zunehme. "In einem abgeschlossenen Raum wie dem Auto fühlt sich das viel natürlicher an als wenn ich etwa im Einkaufszentrum mit meinem Smartphone spreche."

Es ist ein hochkompetitives Feld, in dem German Autolabs mitmischen will: Nicht nur die Autokonzerne von BMW Börsen-Chart zeigen bis Tesla Börsen-Chart zeigen entwickeln ihre eigenen Assistenten, die digitale Inhalte genau auf die Fahrsituation abgestimmt liefern sollen - auch die Silicon-Valley-Giganten Apple Börsen-Chart zeigen und Google Börsen-Chart zeigen beanspruchen das Feld mit Carplay (Apple) und Android Auto (Google) für sich. Weiss sagt: "Unser Anspruch ist nicht, eine bessere prädiktive Intelligenz als Google zu entwickeln, aber wir sind überzeugt, eine bessere Erfahrung für die Situation während der Fahrt schaffen zu können. Wer nutzt denn wirklich intensiv die Sprachassistenten von Apple oder Google beim Autofahren?" Zwar könnten die Valley-Konzerne eine solche Technologie prinzipiell ebenfalls bauen, so Weiss. "Doch die Erfahrung etwa mit Nest oder Beats zeigt, dass im Nischenbereich Start-ups die Nase vorne haben können. Wir sind extrem fokussiert auf den Use-Case im Auto."

Im Laufe des nächsten Jahres will German Autolabs ein Produkt auf den Markt bringen, das unabhängig vom Fahrzeug-Typ und -Alter funktionieren soll. Allein in Deutschland gebe es 50 Millionen Autos, die keinen digitalen Assistenten haben; über eine halbe Milliarde in Europa und Nordamerika. "Das ist ein gigantischer Markt", sagt Weiss. Neben dem Endkundengeschäft sei es auch denkbar die die Technologie an Autohersteller zu lizenzieren. "Wir denken, dass das Problem so speziell ist, dass es nicht jeder Autokonzern selbst lösen wird," sagt Weiss, der in der Industrie bestens vernetzt ist. "Mein Eindruck ist, dass unser Ansatz auf Interesse stößt." Mit dem Musikstreamingdienst Aupeo ist es ihm schon mal gelungen, ein Tech-Produkt in die Autos zu bringen - noch vor Spotify & Co wurde der Dienst aus Berlin von Autoherstellern in Fahrzeuge integriert.

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