Donnerstag, 8. Dezember 2016

Telekombranche "Der Wettbewerb in Deutschland lebt hauptsächlich von O2 und E-Plus"

O2 und E-Plus bilden neuen Marktführer: "Die Fusion dürfte in einer abspracheartigen Zusammenarbeit zwischen nur noch drei großen Spielern am deutschen Markt münden"

Christoph Vilanek, Chef des Mobilfunkhändlers Freenet, sieht die geplante Fusion von O2 und E-Plus kritisch. Warum er fürchtet, dass dadurch die Preise steigen dürften und die Innovationskraft nachlässt, erklärt er im Interview mit manager magazin online

Sie heißen Freenet, United Internet oder Drillisch und sind eine Spezialität des deutschen Mobilfunkgeschäftes: Unabhängige Anbieter, die über keine eigenen Netze verfügen, aber wichtige Vertriebspartner von Deutsche Telekom, Vodafone und Co. sind - und zugleich ihre schärfsten Konkurrenten.

Christoph Vilanek hat bei Freenet Börsen-Chart zeigen mit zuletzt 3,2 Milliarden Euro Umsatz das Kommando über den größten dieser unabhängigen Dienste. Und Vilanek hatte zuletzt vor allem gute Zeiten hinter sich: Die Übernahme des Apple-Händlers Gravis, Umsatzplus und üppige Dividendenauszahlung haben den Freenet-Kurs im vergangenen Jahr kräftig befeuert.

Nur beim Thema E-Plus-Übernahme durch Telefónica verlässt den jovialen, stets braun gebrannten Manager die Gelassenheit.

mm: Die O2-Mutter Telefónica verspricht, nach der Übernahme von E-Plus in Deutschland den zwei Großen der Branche Vodafone und Telekom mächtig einzuheizen. Freuen Sie sich schon auf den verstärkten Wettbewerb?

Christoph Vilanek: Allein mir fehlt der Glaube. Der Wettbewerb hierzulande hat während der letzten zwanzig Jahre hauptsächlich von E-Plus und O2 gelebt. Viele der echten Innovationen gingen von diesen beiden kleineren Angreifern aus, etwa die Einführung von Billigmarken wie Simyo. Ohne klare Vorgaben wird der Wettbewerb stark abnehmen. Zudem dürfte die Fusion in einer abspracheartigen Zusammenarbeit zwischen nur noch drei großen Spielern am deutschen Markt münden.

mm: Sie beschwören schon ein Kartell herauf?

Vilanek: Diesen Begriff möchte ich nicht verwenden. Aber unser Markt funktioniert sehr transparent. Jeder hat Zugang zu den Preis- und Provisionslisten des jeweils anderen. Da kann schnell eine Art nicht abgestimmtes Stillhalteabkommen entstehen. In der Betriebswirtschaft nennt man dieses Phänomen unabgestimmt gleichgerichtetes Verhalten. Auf eine ökonomische Frage gibt es bei drei etwa gleich großen Unternehmen meist nur eine richtige Antwort.

mm: Sie gehen also davon aus, dass die Preise nach der Fusion steigen werden?

Vilanek: Nicht nur das. Es wird auch für alternative Anbieter ohne eigenes Netz wie uns weniger Raum für Innovationen übrig bleiben. Wir waren die ersten, die Budget-Tarife eingeführt haben, 1&1 die ersten Anbieter einer Flatrate. Und es gäbe nach wie vor Spielraum für Neuerungen, etwa wenn es um die Portionierung von Datenpaketen geht.

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