Freitag, 2. Dezember 2016

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Apple FBI knackt iPhone von San-Bernardino-Attentäter

Attentäter Sayed Farook, Tashfeen Malik (l.)

Das FBI wollte Apple per Gerichtsbeschluss dazu zwingen, das Handy eines islamistischen Terroristen zu entschlüsseln. Nun haben die US-Behörden selbst das iPhone geknackt.

Der Streit zwischen Apple und der US-Regierung um das Entsperren des iPhones eines toten Attentäters ist beendet. Das iPhone sei entschlüsselt, die Hilfe des Technologiekonzerns werde "nicht länger benötigt", hieß es in einem am Montag veröffentlichten Schreiben des Justizministeriums an das Gericht. Die zuständige Bundesstaatsanwältin Eileen Decker erklärte, der entsprechende Ermittlungsschritt sei abgeschlossen.

Apple hatte sich einer gerichtlichen Anordnung widersetzt, dem FBI bei der Entschlüsselung des iPhones von Sayed Farook zu helfen. Farook hatte Anfang Dezember mit seiner Ehefrau bei einem Anschlag im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen erschossen. Das FBI untersucht, ob die Angreifer mit der Terrormiliz IS in Kontakt standen. Das US-Justizministerium hatte argumentiert, die Entschlüsselung von Farooks iPhone könnte möglicherweise wichtiges Beweismaterial ans Licht bringen.

Als Begründung für seine Haltung hatte der Konzern die Gefahr eines Präzedenzfalls genannt. Das Unternehmen habe die Pflicht, die Daten der Kunden gegen den Zugriff der US-Behörden zu schützen, sagte Apple-Chef Tim Cook. Unterstützt wurde Apple in seinem Widerstand von anderen Software-Giganten wie Facebook, Google und Yahoo sowie von Bürgerrechtlern.

Apple erklärte in einer ersten Reaktion, dass das FBI den Fall niemals hätte vor Gericht bringen dürfen. "Apple glaubt fest daran, dass die Menschen in den USA und in der ganzen Welt ein Recht auf Datenschutz, Sicherheit und Privatsphäre haben. Das Eine für das Andere zu opfern, setzt Menschen nur noch größerer Gefahr aus."

Das FBI hatte bereits in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass die Hilfe des Konzerns wohl nicht mehr notwendig sei, da man von dritter Seite einen Tipp bekommen habe, wie die Verschlüsselung zu umgehen sei. Wer der Helfer ist und wie die Methode funktioniert, wurde bisher nicht bekannt.

jul/fab/AFP/Reuters/dpa

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