Montag, 29. August 2016

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Princeton-Hypothese Facebook könnte 2015 Geschichte sein

Facebook-Studie: Diagramme des Niedergangs
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REUTERS

Dem sozialen Netzwerk Facebook laufen nicht nur die jungen Nutzer weg. Einer Studie der renommierten Princeton University zufolge droht nun gar der Niedergang - vielleicht schon bis Ende 2015. Facebook wiederum sagt Princeton das Ende voraus.

Princeton - Dass Prognosen schwierig sind, gerade wenn sie die Zukunft betreffen, ist hinlänglich bekannt. Die zwei US-Wissenschaftler John Cannarella und Joshua A. Spechler von der renommierten Princeton University im US-Bundesstaat New Jersey wagen es dennoch. Ihre Prognose: Facebook ist dem Untergang geweiht. Diese Einschätzung belegen sie hochwissenschaftlich und mit einem mathematischen Modell, das sie jetzt in der Abhandlung "Epidemiological modeling of online social network dynamics" vorgestellt haben.

In dieser Studie wenden Cannarella und Spechler gängige Modelle der Seuchenverbreitung auf die Welt der Onlinenetzwerke an. Wobei die beiden Jungwissenschaftler die Annahme oder Ablehnung eines sozialen Netzwerks mit einer Infektion oder Heilung von einer Krankheit gleichsetzen. Als Grundlage dient ihnen das so genannte SIR-Modell (Susceptible-Infected-Recovered-Model), das traditionell für die Krankheitsverbreitung verwendet wird.

Die Autoren erweitern dieses Modell allerdings noch um die zusätzliche Bedingung, dass vor einer Infektion erst ein Kontakt zwischen einer bereits infizierten und einer noch nicht infizierten Person stattgefunden haben muss. Als Messwert der "viralen" Verbreitung legen Cannarella und Spechler die Suchanfragen der weltgrößten Suchmaschine Google zugrunde.

So vergleichen die Forscher das einst größte soziale Netzwerk der Welt, MySpace, mit dem derzeitigen Branchenprimus: Facebook. Facebook-Chef Mark Zuckerberg dürfte das Ergebnis dabei kaum schmecken. Denn die Forscher kommen zu dem Schluss, dass das rund 1,1 Milliarden Nutzer zählende Netzwerk den Scheitelpunkt seiner Verbreitung und Anziehungskraft bereits überschritten hat.

Schon für Ende 2014 gehen Cannarella und Spechler davon aus, dass rund 20 Prozent weniger Menschen nach dem Begriff "Facebook" suchen werden. Im schlechtesten Fall schon 2015, im besten Fall erst 2017, wird das soziale Netzwerk dem Modell zufolge 80 Prozent seiner einstigen Stammnutzer verloren haben - was die beiden Wissenschaftler in einigen sehenswerten Charts dokumentieren.

Ob der Schwund an jungen Nutzern sich fortsetzt oder bald Twitter (mehr als 200 Millionen Nutzer), WhatsApp (mehr als 400 Millionen Nutzer) oder das chinesische Netzwerk Qzone (mehr als 600 Millionen Nutzer) die Viralitätsskala anführen werden, sei dahin gestellt. Mark Zuckerberg ist sich der Problematik jedenfalls längst bewusst. Bei einer Podiumsdiskussion sagte er schon vor einigen Jahren, dass die größte Gefahr für Facebook vermutlich "ein Wettbewerber sein wird, den heute noch niemand kennt".

Die Studie selbst will Facebook Börsen-Chart zeigen so aber nicht stehen lassen. Mike Develin, der bei dem Unternehmen den Titel "Data Scientist" trägt, antwortete am Donnerstag mit der gleichen Methode: Gemessen an den "Gefällt mir"-Angaben auf Facebook-Seiten sei das Interesse an Princeton bereits 2009 eingebrochen, während die Universität Harvard 2012 ihren Höhepunkt erreichte und Yale noch bis Ende 2013 an Interesse gewann. "Die Forschung demonstriert unzweifelhaft, dass Princeton Gefahr laufen könnte, komplett zu verschwinden", schließt Develin.

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