Freitag, 9. Dezember 2016

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Facebook-Manager David Marcus "Wenn es sich wie Werbung anfühlt, ist es schlecht"

David Marcus bei der Internet-Konferenz DLD in München: Einen Angriff auf seine Ex-Firma Paypal plant er eher nicht

2. Teil: "Wir müssen nicht selbst zum Payment-Dienst werden"

mm: Sind Sie nicht zuvorderst zu Facebook gekommen, um ein Geschäftsmodell für den Messenger-Dienst zu finden? Als ehemaligem PayPal-Chef dürfte Ihnen doch sicher zum Thema Bezahldienste einiges eingefallen sein bei Facebook.

Marcus: Wir sind im Werbe-Business tätig. Da ist es wichtig, dem Nutzer zunehmend zu ermöglichen, Produkte, die er online, vor allem mobil, beworben sieht, auch kaufen zu können. Wir experimentieren bereits mit einer Kauf-Funktion im Facebook-Newsfeed. Solche Dienste werden in Zukunft für uns zunehmend interessant werden. Wir stehen nicht unter Druck, mit Kurznachrichten Geld zu verdienen, aber es gibt noch eine Menge Möglichkeiten, die Kommunikation wischen dem Nutzer und unseren Werbekunden zu verbessern.

mm: Was konkret meinen Sie damit?

Marcus: Schauen Sie sich andere bereits existierende Dienste etwa in Asien an. Manche von ihnen verdienen Geld damit, dass sie Premium-Inhalte innerhalb der Nachrichten verkaufen, etwa Sticker. Andere wiederum haben ganze Dienstleistungs-Pakete integriert, auch E-Commerce. Uns steht also vieles offen.

mm: WhatsApp-Chef Jan Koum hat für seinen Dienst Werbung ausgeschlossen. Gilt das auch für ihr Geschäft?

Marcus: Ja, unser Ziel ist es nicht, Kurznachrichten mit Werbung vollzustopfen. Sie sind eine sehr private Angelegenheit, und niemand will darin mit Werbung bombardiert werden. Wir werden andere Wege finden, Geld zu verdienen. Wenn es sich wie Werbung anfühlt, ist es schlecht.

mm: Warum legt Facebook WhatsApp und den Facebook Messenger nicht einfach zusammen?

Marcus: WhatsApp ist in manchen Regionen wie etwa Deutschland unglaublich erfolgreich, der Facebook-Messenger wiederum gewinnt in anderen Märkten hinzu. Und die beiden Plattformen funktionieren unterschiedlich. WhatsApp ist die neue Form der SMS, der Messenger eher eine Plattform, auf der Medien ausgetaucht werden. Wir wollen beide Märkte bedienen.

mm: Sieht sich Facebook nach neuen Übernahme-Zielen um? Kurznachrichten-Trends sind schließlich schnelllebig.

Marcus: Im Moment befinden wir uns in einer komfortablen Position. Der Facebook-Messenger hat mehr als eine halbe Milliarde aktiver Nutzer im Monat, WhatsApp 700 Millionen.

mm: Sie sind der ehemalige Paypal-Chef. Geben Sie zu: Facebook wird bald zum Paypal-Angriff übergehen, oder?

Marcus: Ich glaube nicht, dass es für Facebook sinnvoll wäre, ein echtes Bezahl-Geschäft aufzubauen. Wir wollen eher, wie ich bereits erklärte, es unseren Werbekunden erleichtern, die Nutzer für ihre Produkte bezahlen zu lassen. Aber wir müssen nicht selbst zum Payment-Dienst werden. Wir sehen uns eher als Partner.

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