Samstag, 18. November 2017

Böses Netzwerk Darum sollten Sie Facebook noch heute verlassen

Facebook-Gründer Zuckerberg: Profitmaximierung auf Kosten von Nutzern, Mitarbeitern und Gesellschaft

Gleich aus zwei Gründen rückt heute einmal mehr Facebook in den Fokus. Erstens: Das Unternehmen hat Maßnahmen bekanntgegeben, mit denen es künftig angeblich gegen sogenannte Fakenews auf seinen Seiten vorgehen will. Und zweitens: Mit dem Magazin der "Süddeutschen Zeitung" berichtet erstmals ein Medium ausführlich darüber, unter welch dramatischen Bedingungen Menschen für das Unternehmen fragwürdige Inhalte daraufhin beurteilen, ob sie auf Facebook bleiben dürfen oder nicht.

Ein guter Zeitpunkt also, um einmal gründlich über Facebook nachzudenken. Und ein guter Zeitpunkt, dem Netzwerk sofort den Rücken zu kehren.

Warum das? Facebook geriert sich selbst gerne als Segen für die Menschheit. Das Unternehmen verbindet Menschen, sorgt für Kommunikation, Information und Unterhaltung, und das im Idealfall über Grenzen hinweg rund um den Globus.

Genau so wird Facebook offenbar auch von den meisten Menschen wahrgenommen, anders ist die Zahl der vielen Millionen Nutzer weltweit kaum zu erklären. Für viele Leute vor allem in der westlichen Welt gehört Facebook inzwischen so selbstverständlich zum täglichen Leben wie die Luft zum Atmen. Und genau so wenig, wie sie sich Sorgen über den nächsten Atemzug machen, denken die Nutzer offensichtlich auch über den wahren Charakter des Unternehmens Facebook nach.

In Wahrheit ist Facebook kein soziales Netzwerk, das eingerichtet wurde, um das Leben von Millionen und Milliarden Menschen zu verbessern. Es ist ein kommerzielles Wirtschaftsunternehmen, das darauf aus ist, seinen Umsatz und Profit zu maximieren und damit seine Aktionäre sowie einige wenige Leute an der Spitze immer reicher zu machen.

Ja, das ist eine banale Erkenntnis, die insbesondere in einem Wirtschaftsmagazin ein wenig deplatziert wirkt. Im Falle Facebooks scheint es aber dringend erforderlich, diese Selbstverständlichkeit einmal explizit in Erinnerung zu rufen.

Und ja, an alle Facebook-Nutzer, die immerhin bis hierher gelesen haben, um jetzt rasch eine Schmähung zu posten: Selbstverständlich ist der Autor dieses Kommentars (genau wie Sie) tierisch neidisch auf die vielen Milliarden Dollar, auf denen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg inzwischen sitzt. Und selbstverständlich ist ausschließlich dieser Neid der Grund für die bisherigen und die folgenden Zeilen. Das, und die notorische Neigung von Journalisten, alles besser zu wissen und schlecht zu reden natürlich.

Aber davon abgesehen: Warum ist es also so wichtig, auf das wahre Wesen Facebooks als kommerzielles Unternehmen hinzuweisen? Ganz einfach: In diesem Wesen liegt die Erklärung für so ziemlich alle Missstände bei Facebook, von den Problemen mit "Fakenews" und "Hatespeech", die die Firma angeblich nicht in den Griff bekommt, über die gigantische Steuervermeidung bis hin zum nebulösen Umgang mit Millionen Nutzerdaten und vielem anderen.

Bei Facebook sind viele überaus intelligente und talentierte Leute versammelt. Wollte das Unternehmen seine Probleme tatsächlich im Sinne der gesamten Gesellschaft lösen, so wäre das in den meisten Fällen wohl relativ schnell erledigt. Dass es dennoch nicht geschieht, hat nur einen Grund: Das Unternehmen würde damit entgegen den eigenen wirtschaftlichen Zielen handeln, als da wären: Clicks und Reichweite steigern, Umsatz erhöhen, Gewinn maximieren.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Wohl gemerkt: Niemand - insbesondere nicht beim manager magazin - spricht Facebook oder irgendeinem anderen Unternehmen das Recht auf Gewinnmaximierung ab. Im Gegenteil: Das Streben nach Profit ist in unserem Wirtschaftssystem eine der Grundlagen für den Wohlstand (und zwar auch für den Wohlstand derjenigen, die selbst nur eine geringe oder gar keine Leistung dazu beitragen oder beitragen können).

Bei Facebook geht es aber um etwas anderes: Die Umsatz- und Gewinnmaximierung erfolgt unter dem Mantel der Wohltätigkeit, während damit in Wirklichkeit massive Schäden verursacht werden, und zwar sowohl bei einzelnen Nutzern und Mitarbeitern als auch am gesellschaftlichen Zusammenleben insgesamt.

Hier die Belege:

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