Dienstag, 23. Januar 2018

Netzwerk will persönliche Kontakte stärken Facebook ändert Timeline-Regeln - Aktie fällt

Facebook-CEO Zuckerberg: "Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams."

2. Teil: Facebook-Nutzer können neue Regeln einfach aushebeln

Auch der US-amerikanische Journalistik-Professor Jeff Jarvis sieht die Pläne problematisch. Die Plattform habe sich zu einem wichtigen Lieferanten von Nachrichten und Informationen für die Nutzer entwickelt, schrieb Jarvis in einem Blog-Beitrag. Facebook könne seine Verantwortung angesichts der Bedeutung nicht einfach aufkündigen, die die Plattform in der Gesellschaft inzwischen eingenommen habe. Es sei zu befürchten, dass die ursprünglichen Sorgen von Medien-Unternehmen wahr würden, dass ihnen der Teppich unter den Füßen weggezogen werde.

"Es stimmt, dass die Verbreitung dieser Inhalte zurückgehen wird, und dies bedeutende Auswirkungen für das Ökosystem haben wird", sagte Facebook-Manager John Hegeman der dpa. Die Zahl der Anzeigenplätze im Newsfeed werde zugleich nicht erhöht. Damit wäre es denkbar, dass der Schritt den Wettbewerb um vorhandene Werbeslots anheizt. Zugleich können Nutzer selbst in den Einstellungen dafür sorgen, dass die Beiträge von Seiten, denen sie folgen, ganz oben im Newsfeed auftauchen - und damit die Änderung aushebeln.

"Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, Sie beim Finden relevanter Inhalte zu unterstützen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben", erklärte Zuckerberg. Das solle das Wohlbefinden der Nutzer stärken. "Andererseits kann das passive Lesen von Beiträgen oder das Anschauen von Videos - selbst wenn sie unterhaltsam oder informativ sind - nicht so gut sein."

Er rechne damit, dass mit den Änderungen Menschen weniger Zeit bei Facebook verbringen würden, räumte Zuckerberg ein. "Aber ich erwarte auch, dass die bei Facebook verbrachte Zeit wertvoller sein wird." Damit werde die Entscheidung auf lange Sicht auch für das Geschäft gut sein. "Wir müssen das System neu fokussieren", sagte der Facebook-Chef der "New York Times".

Hegeman erklärte, hinter dem Schritt stecke kein Versuch, politische Kontroversen um Facebook-Inhalte zu entschärfen. "Nein, dahinter steckt keine politische Motivation." Das Online-Netzwerk war vor allem nach dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 für die Ausbreitung gefälschter Nachrichten auch über dubiose Facebook-Seiten kritisiert worden.

Die Diskussionen über Facebooks Verantwortung habe das Unternehmen veranlasst, "einige der negativen Dinge, die im System passieren können, besser in Griff zu bekommen", sagte Zuckerberg der "New York Times". Er ergänzte, dass die Geburt seiner beiden Töchter seinen Blick auf Facebook und sein Vermächtnis verändert habe. "Es ist wichtig für mich, dass wenn Max und August aufwachsen, sie das Gefühl haben, dass das, was ihr Vater aufgebaut hat, gut für die Welt war."

cr/dpa

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