Dienstag, 21. November 2017

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McAfee "Mehr Schaden durch Cyberkriminalität als durch Drogenhandel"

Unternehmen erleiden weltweit einen finanziellen Schaden durch Cyber-Kriminalität in Höhe von ca. 375 bis 575 Milliarden US Dollar jährlich

Die Cyberkriminalität wächst weltweit rasant, zeigt eine Studie des Sicherheitssoftware-Anbieters McAfee. Deutschland-Chef Hans-Peter Bauer erklärt, warum.

mmo: Herr Bauer, die Zahl der Fälle von Cyberkriminalität wächst weltweit sprunghaft an. Welche Ursachen hat das?

Bauer: Die Gefahr erwischt zu werden ist relativ gering. Stellen Sie sich vor, wie hoch das Risiko ist, bei einem Banküberfall oder einem Einbruch geschnappt zu werden. Sie müssen ja persönlich am Tatort sein. Bei einem Hackerangriff im Internet hingegen ist das Risiko der Strafverfolgung vergleichsweise gering, die Täter sind meist nicht zu fassen. Die Cyberkriminalität hat sich zu einem regelrechten Markt entwickelt, auf dem man die unterschiedlichsten Güter von Schadprogrammen bis zu gestohlenen Daten von Unternehmen und Privatleuten kaufen kann.

mmo: Mit welcher Folge?

Bauer: Die Möglichkeiten, Geld zu verdienen, sind immens: Die Schäden, die die vergleichsweise junge Cyberkriminalität anrichtet, liegen bereits über dem Volumen des weltweiten Drogenhandels und könnte es schon bald signifikant übertreffen. Wir reden hier von einer rasant wachsenden Kriminalität.

mmo: Laut ihrer Studie "Net losses: Estimating the global cost of cybercrime" erleiden Unternehmen weltweit einen finanziellen Schaden durch Cyber-Kriminalität in Höhe von 375 bis 575 Milliarden US Dollar jährlich. Wie kommen diese Zahlen zustande?

Bauer: Ein großer Teil der Schäden entsteht, wenn geistiges Eigentum von Unternehmen gestohlen wird. Hacker können zum Beispiel Forschungsergebnisse und Pläne für neue Produktreihen von Unternehmen stehlen. Wie groß genau dann die Schäden sind, lässt sich nur schätzen. Zumal viele Firmen den Diebstahl gar nicht oder erst einige Zeit später bemerken, wenn ein Konkurrent ihr neues Produkt vor ihnen auf den Markt bringt. In einem konkreten Fall hat eine britische Firma bei einem einzigen Angriff einen Schaden von umgerechnet 1,3 Milliarden US-Dollar erlitten. Das ist ein großes Problem, schließlich ist geistiges Eigentum in vielen Branchen der Schlüssel zu Wettbewerbsfähigkeit. Zudem können auch andere wertvolle Unternehmensdaten per Internet gestohlen werden. Zum Beispiel ist uns ein Fall bekannt, in dem einem Ölkonzern bei einem Hackerangriff Daten über seine Erdölförderung abhanden gekommen sind, der Schaden beläuft sich auf mehrere hundert Millionen US-Dollar. Und das ist kein Einzelfall, für Sicherheitsexperten zählt Cyberspionage in vielen Teilen der Welt längst zum Alltag.

mmo: Welche Länder sind besonders von Cyberkriminalität betroffen?

Bauer: Je wohlhabender ein Land ist und je erfolgreicher seine Unternehmen im globalen Markt sind, desto größer ist die potentielle Beute. Wir schätzen den Schaden allein in den USA, China, Japan und Deutschland auf zusammen rund 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

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