Montag, 30. Mai 2016

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StudiVZ-Gründer Dariani über die deutsche Gründerszene "Es wird viel geschwindelt"

StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani: "Es gibt Übertreibungen, aber auch viel Substanz"
Harry Schnitger
StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani: "Es gibt Übertreibungen, aber auch viel Substanz"

Ehssan Dariani empfängt in den Büros des Start-ups "Cookies" in Berlin-Mitte - seiner neuesten Investition. 25 junge Leute arbeiten hier an einer App, mit der Nutzer Geld in Echtzeit über ihr Smartphone verschicken können. Anfang 2016 soll es losgehen, bald startet der Betatest. Die Gründer Garry Krugljakow und Lamine Cheloufi kommen vom Start-up "Number26", das ein digitales Girokonto anbietet und in der boomenden Fintech-Szene (Finanzdienstleistungen) als Hoffnungsträger gilt.

Cookies gab am Dienstag bekannt, in einer ersten Finanzierungsrunde (Seed) 1,5 Millionen Euro eingesammelt zu haben. Hauptinvestor ist demnach ein vom Holtzbrinck Verlag aufgelegter Beteiligungsfonds - ein alter Bekannter Darianis. Der Verlag kaufte ihm und seinen damaligen Partnern 2007 für 85 Millionen Euro das soziale Netzwerk "StudiVZ" ab, das damals in Deutschland erfolgreicher war als Facebook Börsen-Chart zeigen. Bald darauf verließ Dariani das Unternehmen im Streit. Der Preis seiner Anteile soll rund 10 Millionen Euro betragen haben. Der Volkswirt mit iranischen Wurzeln gilt als exzentrisch und hat sich in der Gründerszene mit bissigen Kommentaren einige Feinde gemacht.

mm: Herr Dariani, seit dem Verkauf von StudiVZ haben Sie finanziell ausgesorgt. Arbeiten Sie eigentlich noch?

Dariani: Klar, in den letzten Monaten war ich zum Beispiel oft hier bei Cookies. Ich schaue dann, was ich für die Jungs tun kann. Ich habe sie zum Beispiel im Rahmen der Finanzierungsrunde unterstützt oder auch beim Recruiting. Ich will, dass die richtigen Leute hier reinkommen und setzte mich deshalb manchmal mit in die Jobinterviews. Ansonsten schaue ich nach neuen Start-ups, die interessant sein könnten. Besser gesagt, junge Gründer kommen meist auf mich zu.

mm: Also sind Sie jetzt Investor und Start-up-Mentor?

Dariani: Ja, aber auch Redner - zu Themen, die keinen geschäftlichen Bezug haben. Ich war neulich beim Auswärtigen Amt eingeladen, um vor jungen Diplomaten über die Technologiegesellschaft im Nahen Osten zu referieren, die sich rasant entwickelt. Solche Termine will ich künftig öfter wahrnehmen. Wissen Sie, eigentlich sehe ich mich nicht als Geschäftsmann. Geschäftsmann war ich, um das Geld zu verdienen, das mir meine heutige Freiheit ermöglicht.

mm: Dafür sind Sie aber noch sehr aktiv. Sie sind zum Beispiel am Online-Brillenshop "Mr. Spex" beteiligt, in den Anfang des Jahres auch Goldman Sachs Börsen-Chart zeigeninvestierte.

Dariani: Ich bin bei fast allen Finanzierungsrunden mitgegangen, dieses Jahr mit einem sechsstelligen Betrag. Das ist ein super Team mit idealer Positionierung im Markt. Wenn ich von einem Team überzeugt bin, bleibe ich langfristig dabei. Auch bei Brands4Friends war ich als Gründungsinvestor dabei, mit denen ich übrigens meinen zweitbesten Exit nach StudiVZ hatte.

mm: Und jetzt soll Cookies das nächste große Ding werden? Gibt es nicht schon genug Überweisungs-Apps wie zum Beispiel "Cringle"?

Dariani: Cookies hat die durchdachtere Technologie, aber da möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht ins Detail gehen. Das Interface ist extrem intuitiv und sauber. Die Gründer sind sehr erfahren und talentiert, sie wissen was sie tun. Oft versuchen sich Gründer in Geschäftsbereichen, in denen sie nicht die nötige Expertise mitbringen, sondern weil sie gerade hip sind - das ist hier anders, deswegen bin ich als Gründungsinvestor dabei.

mm: Wenn Sie das sagen. Und das Geschäftsmodell?

Dariani: Stellen Sie sich vor, Sie leihen sich beim Ausgehen 50 Euro von Freunden, weil Sie kein Bargeld mehr haben und der nächste Geldautomat weit weg ist. Mit Cookies können Sie ihnen das geliehene Geld sofort zurück überweisen, das kostet Sie nur 10 Sekunden.

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