Freitag, 15. Dezember 2017

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Bibbern um den Bund Warum der Telekom-Chef neue Aktionäre fürchtet

Der Chef und sein bester Mann: Telekom-Chef Timotheus Höttges (l.) und sein US-Starmanager John Legere.
DPA, Getty Images for HBO
Der Chef und sein bester Mann: Telekom-Chef Timotheus Höttges (l.) und sein US-Starmanager John Legere.

Telekom-Chef Timotheus Höttges fürchtet einen Mega-Trend: Den Einstieg so genannter aktivistischer Investoren, die das Management mit hohen Rendite-Zielen unter Druck setzen. Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger muss seit Jahren mit diesen Unruhestiftern im eigenen Unternehmen leben (in Gestalt des Investors Cevian), auch der Permanent-Umbau des Siemens-Konzerns durch Joe Kaeser hat seinen Ursprung in der Furcht vor dem Großeinstieg argumentationsstarker Rendite-Jäger.

Höttges selbst bangt nun um den wirksamsten Schutz vor aktivistischen Investoren: einen Großaktionär, der sämtliche Vorstöße abfangen kann. Im Fall der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen ist dies der Bund, der knapp 32 Prozent der Anteile hält und damit größter Aktionär ist. In den Verhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung hatte die FDP einen Verkauf dieser Anteile ins Spiel gebracht - etwa um mit den Erlösen den Ausbau des Glasfasernetzes in Deutschland zu fördern.

Höttges wiederum warnte nun via "Welt am Sonntag": Wer den Ausstieg des Bundes fordere, "sollte sich aber fragen, wer dafür eventuell einsteigt", sagte Höttges er. "Welches Interesse hat er an Infrastruktursicherheit? Will er in Deutschland investieren, und wenn ja, wo und vor allem wie viel?"

Bevor man Subventionen verteile, "sollten sich die Verantwortlichen fragen, wie sie Anreize schaffen, damit noch mehr in Glasfaser investiert wird", sagte Höttges der Zeitung. Grund dafür, dass viele Unternehmen da noch zögerlich seien, sei die Überregulierung. "Die abzuschaffen, das erwarte ich übrigens gerade von einer wettbewerbsorientierten Partei wie der FDP."

Höttges befindet sich mit der Deutschen Telekom gerade in einer delikaten Lage. Das Unternehmen wirkt zunehmend wie zweigeteilt: in das wachstumsstarke US-Geschäft T-Mobile US, geführt von John Legere, und das wachstumsschwache Geschäft in Mitteleuropa. Finanzmarkt-Experten, die ungenannt bleiben wollten, haben gegenüber manager-magazin.de mehrfach die Erwartung geäußert, dass bei einem Ausstieg des Ankeraktionärs Bund aktivistische Investoren bei der Deutschen Telekom einsteigen könnten, um eine Spaltung des Unternehmens voranzutreiben.

soc, dpa-afx

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