Samstag, 3. Dezember 2016

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Terabytes statt Aktien Wie die Börse das Cloud Computing aufmischt

"The Cube": Am Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn wird ab 2014 mit Datenwolken gehandelt
Deutsche Börse
"The Cube": Am Hauptsitz der Deutschen Börse in Eschborn wird ab 2014 mit Datenwolken gehandelt

Die Deutsche Börse arbeitet mit Hochdruck an einem neuen Geschäftsfeld: einer Plattform für den Handel mit Rechnerleistung und Speicherplatz aus der Cloud. Der Marktplatz soll 2014 an den Start gehen - und könnte dem Cloud Computing in Europa einen Schub verpassen.

Hamburg - Das Management von Mitarbeiterideen ist oft eine wolkige Angelegenheit. Da werden dem Chef Ideen erläutert, per Mail versendet oder auf dem Weg in die Kantine in kleine Sammelkästen eingeworfen. Was danach passiert, ist in der Regel undurchsichtig - und endet oft im Nichts. Doch es gibt Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen ist die Deutsche Börse AG Börsen-Chart zeigen, deren neuestes Geschäftsfeld auf einen Mitarbeitervorschlag zurückgeht und sogar zur Gründung eines Unternehmens geführt hat: der Deutsche Börse Cloud Exchange AG (DBCE).

Das Joint Venture von Deutschlands größtem Börsenbetreiber und dem Berliner Start-up Zimory soll sich ab 2014 in einem Markt positionieren, in dem nach Einschätzung der IT-Berater von Gartner im Jahr 2016 weltweit gut 150 Milliarden Euro umgesetzt werden: dem Geschäft mit öffentlichen Cloud-Diensten. Dabei handelt es sich unter anderem um IT-Dienstleistungen wie die Nutzung von Rechenkraft oder Speicherplatz, die bedarfsgerecht über die Datenwolke im Netz - also die Cloud - gebucht und genutzt werden können.

Das Konzept der DBCE sieht vor, diese Dienste untereinander vergleichbar und somit handelbar zu machen. "Der Gedanke dahinter ist, dass wir schon mit anderen Standardgütern wie Strom, Gas oder Kohle an der Leipziger EEX handeln", sagt Michael Osterloh, der die Unternehmensentwicklung der vor gut einem Jahr gegründeten Tochter der Deutschen Börse AG verantwortet. Die Produkteigenschaften von Strom und Rechenkapazitäten wiesen dabei durchaus Ähnlichkeiten auf. In beiden Fällen handele es sich um nicht speicherbare Produkte, die direkt genutzt werden müssten. "Das wirkt sich unter anderem auf die Preisfindung aus."

Gehandelt wird in Terabyte

Gehandelt werden dabei zum einen Rechnerleistungen, die in der kleinsten Einheit etwa der Leistung von zehn Hauptprozessoren und einem frei konfigurierbarem Arbeitsspeicher entsprechen. Zum anderen Speicherplatz, der ab einem Terabyte gehandelt wird, was ungefähr dem Speicherplatz einer heutigen PC-Standardfestplatte entspricht.

Solche klar definierten Leistungsmerkmale und der transparente Marktpreis sollen jenes Szenario umgehen, das im Cloud Computing lange als Standard galt: langfristige, zeitaufwendige und bilaterale Vereinbarungen zwischen Providern, also den Anbietern von Cloud-Diensten, und den Abnehmern, also zum Beispiel den IT-Abteilungen von Unternehmen, der öffentlichen Verwaltung oder Universitäten.

Die Standards, die erfüllt werden müssen, um Cloud-Kapazitäten handelbar zu machen, hat die Deutsche Börse dabei gemeinsam mit zahlreichen Partnern - darunter etwa der Tüv Rheinland oder die Telekom-Tochter T-Systems - entwickelt. Dabei ging es nicht nur um die Vereinheitlichung der gehandelten Cloud-Produkte, sondern auch um Zulassungsverfahren für Provider, das Prozedere beim Cloud-Anbieterwechsel, Garantien und Gewährleistungen. Auch deren Überwachung musste sichergestellt werden sowie die Abwicklung des Zahlungsverkehrs.

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