Mittwoch, 22. November 2017

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Gerangel um Strafe und Vertragsverlängerung Deutsche-Börse-Chef darf wieder hoffen

Carsten Kengeter: Der umstrittene Vorstandschef der Deutschen Börse darf seiner Vertragsverlängerung jetzt optimistischer entgegensehen

Carsten Kengeter (50), der schwer angeschlagene Chef der Deutschen Börse, kann einen Etappensieg feiern auf dem Weg zu seiner Vertragsverlängerung: So wird der Vorstand des Dax-Konzerns auf seiner für kommenden Dienstag terminierten Sitzung nach Informationen von manager-magazin.de aller Voraussicht nach das von der Frankfurter Staatsanwaltschaft angedrohte Bußgeld über 10,5 Millionen Euro akzeptieren; anschließend dürfte die Behörde ihre Ermittlungen gegen Kengeter wegen Insidergeschäften einstellen.

Darum geht es: Im Dezember 2015 hatte sich Kengeter auf Vorschlag des Aufsichtsrats mit Börse-Aktien im Wert von 4,5 Millionen Euro eingedeckt und Gratisanteilsscheine in ähnlichem Umfang erhalten - während er parallel Gespräche mit der Londoner Börsenrivalen LSE führte, die in Fusionsverhandlungen mündeten.

Dieses mögliche Insidergeschäft, das die Deutsche Börse bestreitet, sowie die Tatsache, dass die Öffentlichkeit erst im Februar 2016 über die LSE-Gespräche informiert wurde, will die Staatsanwaltschaft mit der Buße über 10,5 Millionen Euro ahnden. Stellt die danach ihre Ermittlungen ein, könnte Aufsichtsratschef Joachim Faber (67) Kengeters Vertrag, der im März 2018 abläuft, verlängern.

Vorstand wird der Zahlung des Millionenbußgeldes wohl doch zustimmen

Bislang war keineswegs sicher, dass der fünfköpfige Vorstand der Buße zustimmt. Kengeter selbst darf als Betroffener nicht mit abstimmen; und bislang war man in der Börse fest davon ausgegangen, dass auch seine frühzeitig in die LSE-Gespräche eingeweihten Intimi Andreas Preuß (61) und Gregor Pottmeyer (55) gesperrt sind. Dann wären lediglich Hauke Stars (50) sowie Jeffrey Tessler (63) stimmberechtigt gewesen; diese beiden Vorstände aber sind keineswegs gewillt, um jeden Preis das Angebot der Staatsanwaltschaft auf Zahlung der Buße und Einstellung der Ermittlungen anzunehmen (siehe manager magazin 9/2017).

Jetzt ist nach Informationen von manager-magazin.de klar: Preuß und Pottmeyer dürfen doch mit abstimmen, womit äußerst wahrscheinlich ist, dass der Vorstand pro Buße und damit pro Kengeter stimmt. Ausschlaggebend für die Kehrtwende ist eine geänderte Einschätzung der Rechtslage seitens der beratenden Anwälte, heißt es in Kreisen des Unternehmens, das den Sachverhalt nicht kommentieren will. Hauskanzlei der Deutschen Börse ist Linklaters.

Unklar ist, was passiert, sollten Stars und Tessler gegen das Bußgeld stimmen. Indes geht intern niemand davon aus, dass es zu einem Patt im Vorstand kommt.

Allerdings ist der Vorstandsbeschluss nur der erste Schritt für Kengeter, über März 2018 hinaus im Amt zu bleiben. Denn auch der Aufsichtsrat muss dem Bußgeld zustimmen; der aber ist in der Frage der Verlängerung des Kengeter-Vertrags zerstritten. Und letztlich müssen die Finanzaufsicht Bafin und Hessens Börsenaufsicht Kengeter einen positiven Zuverlässigkeits-Attest ausstellen. Ihre Prüfung wollen die Behörden nach Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen beginnen.

Aus dem Schneider wäre Kengeter nach einem für ihn positiven Vorstandsbeschluss am Dienstag also noch lange nicht.

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