Samstag, 10. Dezember 2016

Einstellungsstopp, verärgerte Chefs bei iCar-Team Apple-Auto gerät ins Schlingern

Ein großes Geheimnis: Wie ein Apple-Auto, also das i-Car, aussehen könnte, ist noch völlig unklar. Frühestens 2019 soll Apple ein eigenes Elektroauto vorstellen - es könnte aber auch einige Jahre später werden

Es ist das öffentlichste Geheimprojekt des Silicon Valley: Seit gut zwei Jahren entwickelt Apple ein eigenes Elektroauto. Nun mehren sich die Indizien, dass der Computerriese dabei auf gröbere Probleme stößt: Der Leiter des Projekts hat hingeworfen - und Apple-Designguru Jony Ive missfallen offenbar die zu geringen Fortschritte des Teams.

Das behauptet das gewöhnlich gut informierte Blog Appleinsider, das sich auf Informationen eines bisher verlässlichen Insiders mit Kenntnissen von Apples Auto-Aktivitäten beruft. Laut Appleinsider soll sich Ive bei einem Treffen mit dem Auto-Team seine Unzufriedenheit ausgedrückt haben - und zwar sowohl über die Richtung des Autoprojekts als auch über dessen Fortschritte. Apple habe nun einen Einstellungsstopp für sein Auto-Entwicklungsteam verhängt, heißt es in dem Bericht.

Erst Ende vergangener Woche rumpelte es kräftig bei dem intern angeblich "Titan" genannten Auto-Projekt. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, verlässt Titan-Leiter Steve Zadesky das Unternehmen angeblich aus persönlichen Gründen. Apple verliert damit den Kopf eines seiner wichtigsten Projekte und einen Veteranen. Zadesky startete seine Karriere als Ingenieur bei Ford, wechselte jedoch 1999 zu Apple. In seinen 17 Jahren bei dem IT-Konzern arbeitete er auch am iPod und dem iPhone mit.

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Auch die US-Wirtschaftszeitung erfuhr, dass es für das Titan-Team nicht rund läuft. So soll das Entwicklerteam Probleme haben, klare Ziele für das Projekt zu formulieren. Apple solle dem Team zudem sehr ehrgeizige Vorgaben machen, die sich laut einigen Insidern nicht einhalten lassen.

Startdatum 2019 wird kaum zu halten sein

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Bisher hat Apple nicht offiziell bestätigt, dass der IT-Konzern an einem eigenen Auto arbeitet. Allerdings hat Apple in den vergangenen Monaten dutzende Auto- und Batterieexperten von Unternehmen wie Tesla, GM, Ford und Samsung abgeworben. Presseberichten zufolge sollen bis zu tausend Leute an der Entwicklung des Apple-Autos arbeiten. Gesichert hat sich Apple zudem ein eigenes Auto-Testgelände im Silicon Valley - und die Internet-Domain www.apple.car.

Apple-Vize Jeff Williams bezeichnete Autos öffentlich als "ultimative mobile Geräte" und erklärte, dass der Konzern eine Vielzahl möglicher Märkte für neue Produkte betrachte. Apple-Chef Tim Cook erklärte hingegen nur, dass er in der Autobranche mit massiven Veränderungen durch Software und autonomes Fahren rechne. Laut Tesla-Chef Elon Musk ist es ein "offenes Geheimnis, dass Apple an einem Elektroauto arbeitet".

Zuletzt hieß es in Presseberichten, dass Apple bereits im Jahr 2019 erste Fahrzeuge vorstellen wollte. Gegenüber dem Wall Street Journal bezweifelten Mitglieder des Titan-Projekts, dass dies realistisch sei. Es werde einige Jahre länger dauern, um ein Elektroauto zu entwickeln, das sich stark von der Konkurrenz unterscheide. Laut AppleInsider soll das Apple-Elektroautoprojekt sogar auf der Kippe stehen.

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Selbst herstellen wollen die Kalifornier ihre Fahrzeuge nach Möglichkeit nicht. Mit BMW hat Apple nach Informationen von manager magazin über eine mögliche Auftragsfertigung gesprochen - bislang ohne Ergebnis. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat bislang nur erklärt, Gespräche mit Unternehmen im Silicon Valley geführt zu haben.

Die deutschen Autohersteller beobachten Apples Auto-Aktivitäten schon seit längerem - und wappnen sich gegen den befürchteten Angriff des IT-Konzerns und des kalifornischen Elektroauto-Hersteller Tesla. So werden Audi, BMW und Daimler bis zum Jahr 2020 Elektroautos mit größeren Reichweiten auf den Markt bringen - und ihr bisheriges Geschäftsmodell ändern. Lesen Sie hier mehr darüber, wie die Deutschen den Digital-Angriff aus dem Silicon Valley abwehren wollen.


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