Dienstag, 26. September 2017

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Rocket-Internet-Beteiligung muss "sehr teuren" Kredit akzeptieren Delivery Hero kratzt das Geld zusammen

Schnelle Lieferung, doch mit der Begleichung von Rechnungen kann es in Zukunft auch schon mal länger dauern

Das Liefer-Start-up Delivery Hero hat sich auf einen teuren Millionenkredit eingelassen. Das bekommen die Delivery-Ländergesellschaften zu spüren. So sollen sie Rechnungen so spät wie möglich begleichen, verfügt die Zentrale.

Das Berliner Start-up Delivery Hero kämpft mit Finanzierungsproblemen. Nach Informationen vom manager magazin hat sich der Lieferdienstvermittler, der in Deutschland die Seiten Lieferheld und Pizza.de betreibt, über Monate darum bemüht, frisches Kapital einzuwerben. Letztlich ließ sich die Geschäftsführung laut dem Bericht des Magazins (Erscheinungstermin: Freitag, 19. August) auf einen teuren Kredit ein: Für einen zweistelligen Millionenbetrag (mindestens 30 Millionen Euro) soll Delivery Hero monatlich rund 500.000 Euro zahlen.

Finanzchef Emmanuel Thomassin bezeichnet die Finanzierung in einer internen Mail als "sehr teuer" und bittet seine Kollegen darum, auf Sparsamkeit zu achten. So fordert er liquide Ländergesellschaften auf, nicht gebrauchte Mittel regelmäßig an die Holding zu überweisen. Offene Rechnungen sollen die Töchter zudem erst begleichen, wenn eine weitere Verzögerung die "Reputation oder die Geschäftsbeziehung gefährden" würde.

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Delivery Hero bestätigte auf Anfrage, kürzlich eine Finanzierung abgeschlossen zu haben, wollte sich zu den Konditionen und Kreditgebern aber ebenso wenig äußern wie Hauptinvestor Rocket Internet. Die Höhe der Finanzierung sei jedoch "deutlich größer" als 30 Millionen Euro. Bezüglich der Sparmaßnahmen spricht Delivery Hero von üblichen "Cash-Management-Prozessen", die Finanzlage sei in "keiner Weise" angespannt.

Delivery Hero steht derzeit von mehreren Seiten unter Druck, das Wachstum einiger Ländergesellschaften soll zuletzt zurückgegangen sein. In Deutschland konkurriert das Start-up mit den Diensten Lieferando und Deliveroo. Die eigenen Plattformen Lieferheld und Pizza.de sollen laut Brancheninsidern zusammen zwar deutlich mehr Bestellungen vermitteln als Marktführer Lieferando, doch die Integration (etwa der Computersysteme) der einstigen Konkurrenten ist bislang nicht abgeschossen.

Die Delivery-Hero-Tochter Foodora kämpft derweil mit dem britischen Deliveroo um die Marktführerschaft im Premiumsegment: Beide Start-ups beschäftigen eigene Radkuriere, die Bestellungen für Restaurants ohne Bringdienst ausfahren. Foodora und Deliveroo lieferten sich zuletzt eine teure Werbeschlacht, die sich nun wohl wieder intensivieren wird: Foodoras Deutschland-Chef Emanuel Pallua kündigte gegenüber manager magazin an, ab Herbst wieder mehr Geld in Marketing investieren zu wollen; Deliveroo sammelte Anfang August 275 Millionen Dollar bei Investoren ein.

CEO Niklas Östberg möchte Delivery Hero (aktuelle Bewertung: 3,1 Milliarden Dollar) schon bald an die Börse bringen. In Unternehmenskreisen heißt es, dass der Schritt jedoch frühestens für das erste Quartal 2017 geplant sei. Oliver Samwer, Chef von Östbergs Hauptinvestor Rocket Internet, soll in der Vergangenheit diesbezüglich Druck ausgeübt haben. Wichtige Rocket-Beteiligungen wie Westwing, Global Fashion Group oder Home24 blieben zuletzt hinter den Erwartungen zurück.

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