Dienstag, 24. Oktober 2017

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Essens-Lieferdienst mit Details für Börsengang Delivery Hero hält sich für sehr wertvoll

Will liefern: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg.
Jussi Ratilainen / Delivery Hero
Will liefern: Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg.

Der Börsengang des Essens-Lieferdiensts Delivery Hero (Lieferheld, Pizza.de, Foodora) könnte bis zu einer knappen Milliarde Euro schwer werden. Von dem Geldsegen profitiert nicht zuletzt der größte Anteilseigner: Rocket Internet . Die Start-up-Schmiede hält gut ein Drittel der Anteile.

Insgesamt wird Delivery Hero beim Börsengang mit bis zu 4,4 Milliarden Euro bewertet und damit deutlich höher als zuletzt spekuliert. Dabei schrieb der Lieferdienst wegen der Kosten für seinen rasanten Wachstumskurs bis zuletzt hohe Verluste. Lesen Sie hier den mm-Report:

Delivery Hero - gut genug für die Börse?Delivery Hero will bis zu rund 39 Millionen Aktien für einen Preis von 22,00 bis 25,50 Euro platzieren, wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte. Sollten alle Papiere zum oberen Ende der Preisspanne platziert werden, würde der Börsengang ein Volumen von insgesamt fast 996 Millionen Euro haben.

Altaktionäre wollen sich dabei von bis zu knapp 20,1 Millionen Anteilen trennen. Zudem sollen 18,95 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung am Markt platziert werden. Dieses Geld fließt dem Unternehmen für den Ausbau des Geschäfts zu. Gemessen an der Preisspanne werden dies bis zu 483 Millionen Euro sein.

Delivery Hero hatte den Börsengang Anfang Juni angekündigt und jetzt die Details genannt. Die Papiere sollen erstmals am 30. Juni gehandelt werden. Die Notierung soll am regulierten Markt in Frankfurt erfolgen. Das eröffnet Delivery Hero später grundsätzlich auch die Möglichkeit einer Aufnahme in einen Index der Dax-Familie.

Der heutige Vorstandschef Niklas Östberg hatte das Unternehmen 2011 gegründet. Mittlerweile arbeiten mehr als 6000 Menschen für Delivery Hero, das in mehr als 40 Ländern aktiv ist. Wichtigste Märkte sind Europa, Asien sowie der Nahe Osten.

Die Berliner Gesellschaft hatte vielfach lokale Wettbewerber übernommen und ist deshalb in den einzelnen Ländern unter verschiedenen Namen bekannt. In Deutschland können Kunden über Lieferheld, Pizza.de und Foodora bestellen. Zubereitet wird das Essen dabei vom Restaurant um die Ecke, Delivery Hero übernimmt mit seinen Diensten die Abwicklung der Bestellung und wahlweise auch die Auslieferung an den Kunden. Dafür bekommt das Unternehmen vom Restaurant einen Anteil an den Einnahmen.

Der Markt der Essenslieferdienste ist hart umkämpft. In Deutschland gehören Deliveroo und Lieferando zu den großen Rivalen. Internationale Schwergewichte der Branche sind beispielsweise Just Eat und Grubhub. Auch der Fahrdienst-Vermittler Uber tummelt sich mit UberEats in dem Markt. Branchenbeobachter rechnen gleichzeitig damit, dass immer mehr Menschen sich Essen nach Hause bestellen und der Markt damit insgesamt wächst.

Ein erfolgreicher Börsengang von Delivery Hero wäre auch eine gute Nachricht für Rocket Internet. Die Beteiligungsgesellschaft unter Führung des bekannten Internet-Unternehmers Oliver Samwer hatte im Herbst den geplanten Börsengang des Lebensmittel-Versenders Hello Fresh auf Eis gelegt. Erst zum Jahreswechsel hatte Rocket Internet seinen zweiten Lieferservice Foodora in Delivery Hero eingebracht.

Delivery Hero alleine hatte seinen Umsatz im vergangenen Jahr von 166 auf 297 Millionen Euro fast verdoppeln können. Gleichzeitig fiel aber weiter ein Millionenverlust an von unterm Strich 195 Millionen Euro nach einem Minus von 253 Millionen Euro 2015. Im ersten Quartal hatte sich das kräftige Wachstum fortgesetzt und die Verluste waren weiter zurückgegangen.

Mit Delivery Hero gewinnen Börsengänge kurz vor der Sommerpause an Fahrt. Auch die Restaurantkette Vapiano hat ihren Gang aufs Parkett noch für diesen Monat angekündigt.

dpa-afx, soc

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