Donnerstag, 26. April 2018

Verdacht auf Insiderhandel Neue Hinweise belasten Börsenchef Kengeter

Carsten Kengeter, Chef der Deutschen Börse

Der Druck auf Deutsche-Börse-Chef Kengeter wächst: Nach SPIEGEL-Informationen soll er die Regierung schon im November 2015 über Fusionspläne mit der Londoner LSE informiert haben. Danach kaufte er Aktien des eigenen Konzerns.

In der Affäre um mögliche Insidergeschäfte könnten neue Hinweise die Deutsche Börse in Erklärungsnot bringen. Nach Informationen des SPIEGEL soll Vorstandschef Carsten Kengeter schon im November 2015 im Bundeskanzleramt mit Lars-Hendrik Röller, dem Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, über eine mögliche Fusion mit der London Stock Exchange gesprochen haben. Das Pikante daran: Das Gespräch fand statt, bevor Kengeter in großem Stil Deutsche-Börse-Aktien kaufte. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Kengeter hatte am 14. Dezember 2015 im Rahmen eines auf ihn zugeschnittenen Vergütungsprogramms Aktien des von ihm geführten Unternehmens gekauft. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen Kengeter, weil sie den Verdacht hat, er habe zu diesem Zeitpunkt bereits sehr genau gewusst, dass die Deutsche Börse auf einen Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) zusteuert. Dieser Verdacht erhält möglicherweise neue Nahrung.

Auch Aufsichtsratschef Joachim Faber könnte in Erklärungsnot geraten. Er hatte Kengeter den Rücken gestärkt und mitgeteilt, es habe im Jahr 2015 keine Fusionsverhandlungen gegeben. Erst am 23. Februar 2016 machten die beiden Börsen die Fusionsabsicht öffentlich.

Im Gespräch mit Merkels Wirtschaftsberater soll Kengeter aber schon im November erklärt haben, man sei sich mit der LSE im Grundsatz einig. Allerdings werde die britische Regierung nur zustimmen, wenn der Sitz der fusionierten Börse in London angesiedelt werde. Röller soll signalisiert haben, dass man dem Deal wohlwollend gegenüberstehe, wenn das Finanzministerium mit einem Sitz in London leben könne.

Ein Regierungssprecher sagt dazu, der Berater der Bundeskanzlerin führe "zahlreiche Gespräche mit Wirtschaftsvertretern. Zu einzelnen konkreten Terminen wird aber grundsätzlich keine Auskunft gegeben". Die Deutsche Börse erklärt mit Blick auf alle für den Insiderverdacht relevanten Fragen, sie arbeite mit ihren Anwälten an der Aufarbeitung und kooperiere eng mit der Staatsanwaltschaft. Sie lege alle Erkenntnisse ausschließlich gegenüber den Ermittlungsbehörden offen.

Bei der Beantwortung der Frage, ob Kengeter tatsächlich verbotenerweise Insider-Wissen genutzt hat, kommt es darauf an, wie konkret die Verhandlungen mit London zum Zeitpunkt des Aktienkaufs waren. Sollte Kengeter im Kanzleramt tatsächlich schon über eine weitgehende Einigung mit London gesprochen haben, könnte dies auch den Aufsichtsrat in ein schlechtes Licht rücken.

Das Gremium hatte im September 2015 das Vergütungsprogramm für Kengeter geschnürt und nach Angaben der Börse den aus dem Programm resultierenden Aktienkauf Kengeters gebilligt, ebenso wie die interne Compliance-Abteilung, die das Verhalten der Mitarbeiter überprüft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun, wer im Konzern zu welchem Zeitpunkt welche Informationen über die Fusionsgespräche hatte.

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