Montag, 11. Dezember 2017

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Neue Blackberry Konkurrenz Schweizer Firma bringt Anti-Spionage-Smartphone auf den Markt

Ziemlich abhörsicher: Wie das Blackphone Blackberry Konkurrenz machen will
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Angesichts der NSA-Enthüllungen von Whistleblower Edward Snowden fürchten hiesige Firmen zunehmend Industriespionage. Eine Antwort darauf gibt jetzt ein Schweizer Unternehmen mit seinem Anti-Überwachungshandy Blackphone. Die Macher sind keine Unbekannten.

Genf/Hamburg - Verschlüsselte Sprach-, Videoanrufe und Nachrichten, geschützte Wifi-Nutzung, anonymisisertes Surfen sowie Zugang zu einer privaten Cloud und zu den eigenen Daten auch von außerhalb - mit seinem neuen "Blackphone" zielt der Schweizer Smartphonehersteller SGP besonders auf Kunden, die bei der Kommunikation Wert auf Privatsphäre legen und dafür keine Kosten scheuen.

Am Montag begann das Unternehmen mit der Aussendung des neuen Anti-Spionage-Smartphones, das bereits auf dem Mobile World Congress in Barcelona für viel Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Laut Herstellern ist es das "weltweit erste Smartphone, das von Grund auf mit dem Ziel größtmöglicher Privatheit" gebaut wurde. Kostenpunkt: 629 Dollar.

Die Macher sind in der Branche keine Unbekannten: SGP ist ein Joint Venture von Geeksphone, einem spanischen Hersteller von Firefox-Handys und dem US-Kommunikationsdienstleister Silent Circle. Letzterer hatte unter anderem den sicheren E-Mail-Dienst Silent Mail betrieben. Hatte sich dann - ähnlich wie der von Snowden genutzte Anbieter Lavabit - jedoch angesichts des zunehmenden Drucks von Seiten der Behörden entschlossen, seinen Dienst einzustellen. Zu den Gründern gehört Phil Zimmermann, Schöpfer des weitverbreiteten Verschlüsselungsstandards PGP (Pretty Good Privacy) sowie der frühere Apple-Sicherheitsexperte Callas.

Völlig unumstritten ist das Blackphone unter Sicherheitsexperten nicht. Und auch optisch und bei der Leistung bleibt das Telefon nach Ansicht der Tester von arstechnica.com hinter Konkurrenten wie dem Galaxy S5 oder der iphone 5s deutlich zurück. Für an Privatsphäre interessierte Mittelständler sei das Telefon allerdings eine "gute Option", urteilen die Tester.

Den Anspruch absoluter Sicherheit erheben die Macher auch nicht. "Ein völlig sicheres Telefon gibt es nicht", heißt es bei SGP. Großes Potenzial sehen sie dennoch. "Wir wildern im Revier von Blackberry", fasste es Silent-Circle-Chef Mike Janke kürzlich in einem Interview mit der NZZ zusammen. Schon jetzt seien 27 der Fortune-50-Unternehmen Kunden.

Die erste Blackphone-Charge, einige zehntausend Exemplare, seien ausverkauft, heißt es bei SGP. Neue Bestellungen will das Unternehmen wieder ab 14. Juli entgegen nehmen. Ein Tablet und ein weiteres Smartphone sollen in einigen Monaten folgen.

Infos zum Blackphone gibt es hier.

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