Donnerstag, 30. Juni 2016

Foxconn bietet Milliarden Sharp will sich von Apple-Zulieferer retten lassen

Apple-Zulieferer: Foxconn hat Interesse an Sharp

Der strauchelnde japanische Elektronikkonzern Sharp strebt eine Übernahme durch den taiwanesischen Apple-Zulieferer Foxconn an. Dieser sei mit der Offerte von umgerechnet knapp 5,4 Milliarden Euro (rund 700 Milliarden Yen) der bevorzugte Bieter, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Donnerstag. Es wäre der größte Zukauf eines ausländischen Konzerns in der normalerweise sehr isolierten japanischen Technologiebranche und bereits die dritte Geldspritze für Sharp innerhalb von vier Jahren. Das Foxconn-Gebot wäre mehr als das Doppelte dessen, was der japanische Staatsfonds INCJ auf den Tisch legen will.

An der Börse gab es Applaus: Die stark gebeutelte Sharp Börsen-Chart zeigen-Aktie ging mit einem Plus von fast 17 Prozent aus dem Handel. Im vergangenen Jahr war der Marktwert um 35 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar eingebrochen.

Foxconn und Sharp pflegen seit Jahren gute Kontakte und betreiben ein Werk in Japan gemeinsam. Bei einem Zusammenschluss ergäben sich vor allem für das LCD-Geschäft von Sharp neue Vertriebskanäle. Foxconn produziert unter anderem iPhones für Apple und Fernseher für Sony. Einer mit den Gesprächen vertrauten Person zufolge könnte die Übernahme noch im Februar über die Bühne gehen. Foxconn lehnte eine Stellungnahme ab. Sharp-Chef Kozo Takahashi hatte bereits bestätigt, das Unternehmen konzentriere sich auf die Verhandlungen mit Foxconn. Er wollte allerdings nicht davon sprechen, dass es sich dabei um den bevorzugten Bieter handelt.

Der 1912 gegründete Sharp-Konzern, der einst mit der Erfindung des Druckbleistifts bekanntwurde, steckt tief in der Krise. Schwindende Umsätze mit LCD-Bildschirmen, Aquos-Fernsehern, Taschenrechnern, Hausgeräten und Smartphones haben den Schuldenberg auf nunmehr 4,4 Milliarden Dollar wachsen lassen. Im abgelaufenen Quartal fiel ein operativer Verlust von 29 Millionen Euro an nach einem Gewinn von 160 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Um die Zukunft von Sharp wurde monatelang gerungen. Die Regierung in Tokio wollte Insidern zufolge lange verhindern, dass der Konzern in ausländische Hände gerät. Sharp verfügt über wichtige Patente. Foxconn-Chef Terry Gou hat immer wieder betont, Sharp mit mehr als 44.000 Mitarbeitern nicht zerschlagen zu wollen. "Wir wollen das Unternehmen für weitere 100 Jahre erhalten", sagte er erst am Sonntag. Foxconn - an Taiwans Börse unter dem Namen "Hon Hai Precision" gelistet - würde vor allem von Sharps LCD-Geschäft profitieren und seine Position als weltgrößter Auftragsfertiger mit dem Milliarden-Kauf ausbauen.


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ts/Reuters

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