Freitag, 9. Dezember 2016

Smartphone-Spezialist versucht es mit Gegentrend Apples Hoffnung: kleineres iPhone, höheres Wachstum

Hemd aus der Hose: Apples Greg Joswiak präsentiert das neue, kleinere iPhone SE, ganz links.

Mit dem iPhone SE und dem iPad Air Pro versucht Apple die Erfindung eines neuen Trends: Statt immer größerer Geräte führt der Konzern erstmals wieder kleinere Smartphones und Tablets als zuvor ein.

Apple-Chef Tim Cook hat am Montag ein neues, kleineres iPhone präsentiert, das den Konzern wieder auf seinen alten, steilen Wachstumskurs zurückbringen soll: Das neue iPhone SE ist mit seinem 4-Zoll-Bildschirm so groß wie zuletzt das iPhone 5s. Optisch hat sich wenig geändert, Bildschirm und Gehäuse sind etwas abgerundet, mehr hat sich nicht getan. Technisch aber ist das neue kleine Modell fast ein iPhone 6s. Es hat denselben A9-Prozessor, dieselbe Kamera, ist mit 16 oder 64 GB lieferbar, hat denselben Fingerabdrucksensor und einen NFC-Chip für Apple Pay - das man in Deutschland allerdings noch nicht nutzen kann.

Ein Billig-iPhone, wie es immer wieder in Gerüchten auftaucht, kann es daher gar nicht sein. In der Grundvariante mit 16 GB Speicher kostet es 489 Euro. Für die Version mit 64 GB werden 589 Euro fällig.

Auch wenn es auf den ersten Blick widersinnig erscheint - schließlich sind großformatige Smartphones "in" -, ist die Einführung des iPhone SE ein

kluger Schachzug. Apple bedient damit all jene Kunden, denen die 4,7 Zoll der iPhones 6 und 6s zu groß sind. Ganz zu schweigen von den 5,5 Zoll der Plus-Modelle. Diese Kunden, und auch jene, die noch an ihrem iPhone 4 oder 4s hängen, könnte der Konzern mit dem SE wieder zum Geldausgeben bewegen. Tim Cook sprach explizit auch vom chinesischen Markt und den vielen Menschen, für die das SE womöglich das erste iPhone ihres Lebens sein könnte.

Der Zeitpunkt stimmt

Das Timing spielt dabei eine enorm wichtige Rolle. Als Apple 2013 parallel zum iPhone 5s das iPhone 5c vorstellte, war das günstigere c-Modell von Anfang an zum Rohrkrepierer verdammt. Es sah schick aus, fühlte sich gut an, doch seine Technik hinkte dem Top-Modell zu weit hinterher, insbesondere, was die Kamera angeht.

Beim iPhone SE sieht das anders aus. Es kommt gut eine halbes Jahr nach dem iPhone 6s auf den Markt, hat aber weitgehend dessen Technik an Bord. Bis Apple einen Nachfolger für das 6s einführt, dürfte es mindestens September werden. So bleiben dem iPhone SE vier bis fünf gute Monate, in denen es innerhalb des Apple-Ökosystems technisch State of the Art ist.

Und das iPhone SE passt zu Apple: Schließich hat sich der Konzern lange gegen den Trend zu immer größeren Smartphones gestemmt, ist zuerst dem 3,5-Zoll-Display, dann dem 4-Zoll-Display treu geblieben, als die Konkurrenz längst bei 5 und 6 Zoll angelangt war.

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