Donnerstag, 1. September 2016

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Sharp-Übernahme auf Eis Foxconn zögert - Sharp bricht ein

Hat Sharp gegenüber Foxconn Schulden verschwiegen? Laut Insidern liegt die Übernahme auf Eis

Die Übernahme des angeschlagenen japanischen Elektronik-Konzerns Sharp durch den Apple-Zulieferer Foxconn entwickelt sich zur Zitterpartie. Eigentlich schien das Geschäft, durch das Foxconn zwei Drittel des Display-Spezialisten erhalten sollte, am Donnerstag in trockenen Tüchern. Die Sharp-Führung hatte sich einstimmig dafür ausgesprochen. Insidern zufolge tauchten dann aber Schulden in Milliardenhöhe auf, die bislang nicht bekannt waren.

Daraufhin legte Foxconn das Geschäft auf Eis, wie mit dem Vorgang vertraute Personen sagten. Die Taiwaner selbst erklärten, erst dann die Unterschrift unter das Geschäft zu setzen, wenn alle Fragen gelöst seien. Die Aktie von Sharp Börsen-Chart zeigen brach um 18 Prozent ein. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Sollte das Geschäft zustande kommen, wäre es die bislang größte Übernahme eines japanischen Technologiekonzerns durch einen ausländischen Investor. Insidern zufolge wollen die Taiwaner umgerechnet 5,3 Milliarden Euro investieren. Mit dem Kauf würde Foxconn, das an Taiwans Börse unter dem Namen "Hon Hai Precision" gelistet ist, seine Position als wichtigster Apple-Zulieferer ausbauen. Foxconn-Gründer Terry Gou hat sich fünf Jahre um Sharp bemüht und will sich für den Wettbewerb mit Samsung rüsten.

Dabei geht es ihm vor allem um die Oled-Displays der Japaner. Sharp soll ab 2018 mit der Massenproduktion der technologisch fortschrittlichen Displays beginnen - dann wird damit gerechnet, dass Apple in seinen iPhones die Technik einsetzt. "Mit Sharp unter dem Schirm kann Foxconn Apple dabei helfen, von Samsung unabhängig zu werden", sagte Gavin Parry, Chef beim Handelshaus Parry International Trading in Hongkong. "Zudem kann Foxconn bessere Preise bei Apple heraushandeln."

Fachleute sehen das Geschäft auch als ein Anzeichen, dass sich die japanische Technologiebranche für Interessenten aus dem Ausland öffnet. Die Regierung in Tokio wollte Insidern zufolge verhindern, dass Sharp von einer ausländischen Firma gekauft wird und hatte daher den staatlichen japanischen Investmentfonds Network Corp of Japan (INCJ) ins Rennen geschickt.

Sharp steckt tief in der Krise. Schwindende Umsätze mit LCD-Bildschirmen, Aquos-Fernsehern, Taschenrechnern, Hausgeräten und Smartphones haben den Schuldenberg des Unternehmens auf nunmehr knapp vier Milliarden Euro wachsen lassen. Zwei Rettungsaktionen seit 2012 blieben erfolglos. Foxconn und Sharp pflegen seit Jahren gute Kontakte und betreiben in Japan ein Werk gemeinsam.


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ts/rei/dpa/reuters

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