Samstag, 2. Juli 2016

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Wie Microsoft vor zehn Jahren Warum Apple die Innovationskraft ausgeht

Apple ohne Biss: Der Konzern war das Symbol für Innovationskraft. Jetzt büßt Apple seine Ausnahmestellung ein

Wer an Apple denkt, denkt an Magie: den ersten Macintosh, den man als Grafiker liebevoll streichelte. Die Präsentation des ersten iPhone. Der Mann im schwarzen Rollkragenpullover. Keine Innovationskonferenz, bei der nicht mindestens fünf Mal der Name Apple Börsen-Chart zeigen fällt. Das iPhone ist zu dem geworden, was vor zehn Jahren noch die Glühbirne war: das Symbol für Innovation.

Das weckt hohe Erwartungen. Wenn Apple etwas anfasst, muss es mehr sein als nur eine normale Neuheit. Das nächste große Ding. Die neue Revolution. Alles darunter enttäuscht die Erwartungen. Und genau das ist das Problem. Gewöhnen wir uns an eine neue Zeitrechnung: Apple wird mehr und mehr ein ganz normales Unternehmen. Mit den ganz normalen Innovationsproblemen, die Sie aus Ihrem Unternehmen kennen.

Kampf in gesättigten Märkten

Jens-Uwe Meyer
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    Jens-Uwe Meyer ist Geschäftsführer der Ideeologen GmbH und der Innolytics GmbH. Mit acht Büchern (u.a. "Radikale Innovation", "Das Edison-Prinzip") und mehr als 50 Fachartikeln ist er einer der engagiertesten Innovationsvordenker im deutschsprachigen Raum. Er berät mittelständische Unternehmen und Konzerne.
  • www.jens-uwe-meyer.de
Natürlich wächst der iPhone-Absatz nicht mehr so stark wie früher. Ich selbst habe mittlerweile fünf davon: Ein ausrangiertes iPhone 5 hat mein ältester Sohn, das Vorgängermodell ist bei meinem 11-jährigen gelandet. Nicht dass sie es wirklich bräuchten, aber die Geräte waren halt übrig, nachdem ich die Nachfolgemodelle praktisch nachgeworfen bekommen hatte. Meine Frau hat gerade das iPhone 6S bekommen, ihr iPhone 5 liegt jetzt in der Ecke und wartet auf eine neue Bestimmung. Zusammen mit den drei iPads und drei Macbooks ist meine Familie das Musterbeispiel für einen gesättigten Markt. In fünf Jahren haben wir 11 Geräte gekauft. Plus zwei Ersatzgeräte. Macht 13. Ich wage eine Prognose: Das wird so nicht weitergehen.

Apple verabschiedet sich vom iPhone-Wachstum

Smartphones sind keine coolen Gadgets mehr, die man unbedingt haben muss. Und in gesättigten Märkten lässt die Begeisterung nach. Das schrieb schon der deutsche Volkswirt Heinrich Gossen in seinem ersten Gossenschen Gesetz: "Die Größe eines und desselben Genusses nimmt, wenn wir mit Bereitung des Genusses ununterbrochen fortfahren, fortwährend ab, bis zuletzt Sättigung eintritt." Dieses Gesetz des abnehmenden Grenznutzens besagt übersetzt: Jedes neue iPhone wird uns immer ein bisschen langweiliger vorkommen als das Vorgängermodell. Die Magie ist weg. So wie bei Energieversorgern: Leuchten irgendwo noch die Augen, wenn der Strom aus der Steckdose kommt? Oder wann waren Sie das letzte Mal von der neuen Tiefkühlpizza so richtig begeistert?

Optimieren statt revolutionieren

Die aktuellen Buzzwords im Top Management lauten "Disruption" und "digitales Geschäftsmodell". Sie werden mit einer Leichtigkeit ausgesprochen, als ließe sich eine Revolution mal eben anordnen. Wenn der Co-Chef der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigenJürgen Fitschen sagt, man werde den FinTechs jetzt Konkurrenz machen, dann steckt dahinter der feste Glaube: Wir können alles. Auch Revolution.

Aber Revolution ist viel schwerer, als man es sich vorstellt. Steve Jobs musste erst aus seiner eigenen Firma herausgeworfen werden und mit einem selbst entwickelten Betriebssystem (Next) als Held wiederkehren, bevor er zum Marktrevolutionär wurde. Die Vorstellung, man könne mal eben Disruption nach Plan beschließen, ist naiv.

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