Samstag, 30. Juli 2016

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Angeblich Methode zur Entschlüsselung gefunden - Gerichtstermin abgesagt FBI kann's auch ohne Apple - Ist das iPhone noch sicher?

Kein Zugang: Das FBI glaubt nun in Besitz einer Methode zu sein, um ein iPhone entschlüsseln zu können.

Apple-Chef Tim Cook sieht den US-Technologiekonzern nach eigenen Worten geradezu in der Pflicht, die Daten seiner Kunden gegen den Zugriff von US-Behörden zu schützen. "Das sind wir unseren Kunden schuldig. Vor dieser Verantwortung werden wir uns nicht drücken", sagte Cook am Montagabend am Unternehmenssitz im kalifornischen Cupertino .

Der Konzern und die US-Regierung streiten um die Herausgabe von Daten und wollten sich heute eigentlich vor Gericht in Kalifornien treffen. Doch dieser Termin wurde in der Nacht zu Dienstag überraschend abgesagt. Denn die Bundespolizei glaubt, einen Weg gefunden zu haben, ein iPhone zu entschlüsseln - auch ohne Apples Hilfe.

Konkret geht es um das iPhone des Attentäters von San Bernardino, Sayed Farook, das das FBI bislang nicht knacken konnte. Apple widersetzt sich einer gerichtlichen Anordnung, bei der Entschlüsselung von dessen Smartphone zu helfen. Der ganze Prozess steht seit gestern Nacht überraschend vor dem Aus, weil die Staatsanwaltschaft auf die bislang geforderte Hilfe des Konzerns womöglich garnicht mehr angewiesen ist.

Apple weiß nichts von angeblicher Entschlüsselungsmethode

Das FBI soll nun mit fremder Hilfe eine Methode gefunden haben, um das Smartphone zu knacken und auf diesem Wege an die gesuchten persönlichen Daten zu kommen. Die für heute geplante Anhörung vor Gericht wurde daher verschoben. Sollte die neue Methode funktionieren, wäre ein Ende des Prozesses wahrscheinlich, der ansonsten wohl bis vor dem Obersten Gerichtshof ausgefochten worden wäre.

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Ein Apple-Vertreter sagte, das Unternehmen habe keine Kenntnis von der angeblichen neuen Entschlüsselungsmethode. Die Regierung habe zu keiner Zeit darauf hingedeutet, dass sie sich um eine derartige Lösung bemühe, fügte der Manager hinzu.

Das iPhone wurde von einem der islamistischen Attentäter genutzt, die im Dezember bei einem Anschlag in San Bernardino 14 Menschen töteten. Das FBI untersucht, ob die Angreifer mit der Extremisten-Miliz IS in Kontakt standen.

Blufft das FBI nur und fürchtet eine Prozessniederlage?

Bislang wollte das Justizministerium zu diesem Zweck Apple per Gerichtsurteil zwingen, eine neue Software zu schreiben, um den Passwort-Schutz für das iPhone auszuhebeln. Apple wehrt sich gegen die Anordnung und spricht von einem gefährlichen Präzedenzfall, der eine Hintertür schaffe, die von Kriminellen und Regierungen missbraucht werden könne. Andere Technologiekonzerne wie Google, Facebook, Microsoft und AT&T stellten sich hinter Apple.

Nach Einschätzung von Juristen zeigt der Vorstoß des Justizministeriums, dass dieses eine Prozessniederlage fürchtet. Viele Technologiefachleute bezweifelten, dass die Regierung auf die verlangte Unterstützung Apples zwingend angewiesen sei, sagte der Computersicherheitsexperte Matt Blaze von Uni von Pennsylvania. Der Juraprofessor Orin Kerr von der George-Washington-Universität vermutet, dass das Ministerium nun auf Zeit spielt.

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rei/dpa/Reuters

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