Samstag, 16. Dezember 2017

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Überwachung von Android-Smartphones Google sammelt Standortdaten auch bei ausgeschaltetem GPS

Google-Stand auf dem Mobile World Congress

Die Nutzer von Android-Smartphones verraten Google ihre Position auch, wenn sie keine standortbasierten Dienste nutzen. Das Unternehmen lässt sich die Daten von Funkmasten übermitteln.

Wer bei seinem Smartphone die ortsbasierten Dienste abschaltet, will in der Regel seinen Aufenthaltsort nicht preisgeben. Die Alphabet-Tochter Google überwacht bei Nutzern von Android-Smartphones trotzdem den Standort - selbst bei ausgeschaltetem GPS.

Gründe, seine Position nicht zu verraten, gibt es einige. Mitarbeiter von Strafverfolgungsbehörden oder Opfer häuslicher Gewalt könnten ein Interesse daran haben. Auch vor aufdringlicher standortbasierter Werbung kann sich ein Nutzer schützen. Wer nicht getrackt werden möchte, hat die Möglichkeit, ortsbasierte Dienste abzuschalten. Wem das nicht ausreicht, der verzichtet auch auf die Satellitenortung per GPS. Noch weiter geht die Entnahme der SIM-Karte.

Wer bis dahin dachte, mit solchen Maßnahmen vor einer Ortung geschützt zu sein, der irrt. Google erhebt seit mehreren Monaten Standortdaten von Nutzern per Funkmastortung. Das berichtet das Onlinemagazin "Quartz" . Die verschlüsselten Daten würden bei der nächsten Verbindung per WLAN oder Mobilfunk an Google übermittelt. Sogar wenn keine SIM-Karte eingelegt sei, versende das Gerät per WLAN die Standortdaten an Google, berichtet "Quartz" weiter.

Der Dienst lasse sich nicht abschalten, auch ein Reset auf die Werkseinstellungen und ein Verzicht auf standortbasierte Dienste und Apps brächten keine Abhilfe.

Smartphones anfällig für Überwachung

Mobiltelefone sind allgemein anfällig für Überwachungsmaßnahmen. Um entsprechende Programme zu installieren reicht es bei einigen Geräten bereits, kurz Zugriff zu haben. Eine weitere Methode ist es, Smartphones per Schadsoftware unter Kontrolle zu bringen. Geheimdienste und versierte Hacker können sogar auf das Mikrofon von Handys zugreifen, wenn sie ausgeschaltet sind. Zur Standortbestimmung eines Nutzers gibt es spezielle Apps, die teils legal sind.

Zwar ist die GSM-Ortung per Funkmast nicht so genau wie per GPS oder WLAN, aber wenn die Daten mehrerer Funkmasten kombiniert werden, kann über die sogenannte Triangulation der ungefähre Standort ermittelt werden. Diese Ortung ist besonders in Städten mit einer Vielzahl von Funkmasten genauer als an Orten mit schwächerer Infrastruktur.

Praxis seit Anfang des Jahres

Seit rund elf Monaten ermittelt Google per GSM-Ortung den Standort der Android-Nutzer, räumte ein Google-Sprecher gegenüber "Quartz" ein. Das Unternehmen wollte anhand der Daten sein System der Übermittlung von SMS und Nachrichten verbessern. Die Daten seien nie genutzt oder gespeichert worden, heißt es weiter.

Das Unternehmen habe im Januar 2017 damit begonnen, die sogenannte Cell-ID von Android-Telefonen als weitere Signalquelle zu nutzen, um die Geschwindigkeit und Qualität der Nachrichtenübermittlung zu verbessern, schrieb der Sprecher.

Google wolle die Praxis nun beenden, nachdem "Quartz" das Unternehmen kontaktiert habe. Ab Ende November würden Android-Smartphones keine per Funkmast erhobenen Standortdaten mehr an Google senden, die für diesen Dienst erhoben wurden.

Ob der entsprechende Dienst auch in Deutschland genutzt wird, war zunächst unklar. Google ließ eine entsprechende Anfrage bis zum Nachmittag unbeantwortet.

Wer allerdings sichergehen will, nicht digital getrackt zu werden, sollte sein Mobiltelefon und alle anderen technischen Geräte am Besten zu Hause lassen.

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