Sonntag, 4. Dezember 2016

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Gerüchte um Zukauf in Indien Warum Amazon die Aktie von Rocket Internet wieder steigen lässt

Ambitioniert: Rocket Internet-Chef Oliver Samwer vergleicht sein Unternehmen gerne mit Amazon und dem chinesischen Pendant Alibaba

Erst der Kurssturz, dann betörende Spekulationen aus Indien: Lokalen Medien zufolge ist Amazon an einem Kauf von Jabong interessiert, einer Beteiligung von Rocket Internet auf dem Subkontinent. Die Gerüchte lassen die gebeutelte Rocket-Aktie kräftig steigen - und die Samwers atmen durch.

Die indische Wirtschaftszeitung "Economic Times" meldete am Wochenende, dass Amazon Börsen-Chart zeigen in Gesprächen mit dem Onlinemodehändler Jabong sei. Die Verhandlungen seien in einem noch sehr frühen Stadium, hieß es. Es gebe auch andere Interessenten für Jabong. Die Zeitung beruft sich auf vier mit den Vorgängen vertraute Personen.

Für Rocket Internet ist Jabong eines von vielen Beteiligungen und vergleichbar mit dem hierzulande bekannten Zalando Börsen-Chart zeigen. Rocket finanziert und betreibt allen voran in Schwellenländern den Aufbau bereits bewährter Geschäftsmodelle.

Seit Anfang Oktober notiert Rocket Internet Börsen-Chart zeigen an der Frankfurter Börse. Die Aktie verlor unmittelbar nach der Erstemission mehr als 13 Prozent und fiel zeitweise um 25 Prozent unter den Ausgabepreis. Die Gerüchte um Amazon und eine angebliche Übernahme ließen die gebeutelte Aktie von Rocket Internet am Montag wieder kräftig steigen: Das Papier legte zuletzt um knapp 6 Prozent auf 37 Euro zu, notiert aber immer noch unter dem Ausgabepreis von 42,50 Euro.

Im Börsenprospekt klassifizierte das Berliner Unternehmen Jabong als "bewährten Gewinner". Damit sind vornehmlich Geschäftsmodelle gemeint, die sich irgendwo schon einmal bewährt haben, aber deren Kategorisierung nichts über die Profitabilität des Unternehmens aussagt. Jabong soll 2013 den Umsatz auf knapp 57 Millionen Euro verdreifacht haben. Der Verlust lag bei 37,9 Millionen Euro.

Rocket ist an Jabong über eine Zwischenholding namens Bigfoot 1 beteiligt. An dieser hält Rocket 29,2 Prozent. Bigfoot I ist wiederum an Jabong mit einem Anteil von 73,2 % beteiligt. Jabong wird in Rockets Börsenprospekt auf einen Wert von derzeit 388 Millionen Euro (500 Millionen Dollar) taxiert. Allerdings wolle man im Falle eines Verkaufs nicht weniger als 700 Millionen Dollar erlösen.

Rocket Internet wollten den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. Amazons Antwort auf eine Anfrage steht noch aus.

Onlinehandel in Indien noch im Aufbau

Ein Verkauf von Jabong an Amazon wäre zwar angesichts des verpatzten Börsengangs und des geringen Vertrauens in Rockert Internet eine positive Nachricht. Allerdings würde er Rockets im Börsenprospekt proklamierten Absichten widersprechen, länger als bislang an jungen Unternehmen beteiligt zu bleiben. Die E-Commerce-Website wurde vor nicht einmal drei Jahren an den Start gebracht. Der von den Brüdern Oliver, Marc und Alexander Samwer gegründete Inkubator war in der Vergangenheit vor allem dafür bekannt, Unternehmen schnell zu gründen, um sie kurz darauf weiterzuverkaufen - meist an das US-Original.

Der Onlinehandel in Indien steckt noch in den Kinderschuhen. Gerade einmal zwei Milliarden Dollar beträgt der Umsatz. Marktforschern zufolge soll das Umsatzvolumen in den kommenden sechs Jahren allerdings auf 30 Milliarden Dollar ansteigen. Erst im August hatte Amazon angekündigt, in Indien zwei Milliarden Dollar investieren zu wollen, also genau jene Summe, die dem derzeitigen Onlinehandelsvolumen des Landes entspricht. Amazon wolle ein Vertriebssystem aufbauen und in Technologie investieren. Unternehmensgründer-Gründer Jeff Bezos hatte der "Economic Times" im September gesagt, der weltgrößte Onlinehändler verkaufe in Indien derzeit Ware im Wert von einer Milliarde Dollar. Mode spiele für das Unternehmen eine bedeutende Rolle.

Zwei große Wettbewerber im Modesegment in Indien

Amazon hatte im Jahr 2009 für 1,2 Milliarden Dollar den Onlineschuhhändler Zappos übernommen. Dies war der bislang teuerste Kauf des US-Unternehmens. Der deutsche Modehändler Zalando, ein ebenfalls von den Samwers aufgebautes Unternehmen, hatte sich bei der Gründung stark an Zappos orientiert. Jabong wiederum orientiert sich an Zalando.

Amazon ist eher dafür bekannt, dass es höhere Summen für den Zukauf von Produktkategorien wie etwa Mode ausgibt, nicht aber um mit der Übernahme von kompletten Unternehmen in anderen Ländern zu expandieren beziehungsweise zu wachsen - zumal Amazon bereits in Indien Mode über die eigene Plattform vertreibt.

Amazons größter Wettbewerber in Indien ist derzeit Flipkart, ein Unternehmen das von zwei früheren Amazon-Mitarbeitern gegründet wurde. Flipkart machte im März endenden Geschäftsjahr einen Umsatz von einer Milliarde Dollar. Nur einen Tag vor Amazons Ankündigung, in Indien mehr investieren zu wollen, sammelte Flipkart bei Kapitalgebern eine Milliarde Dollar ein. Durch die Übernahme des indischen Modehändlers Myntra hat Flipkart nach Angaben von Branchenbeobachtern im Fashion-Segment einen Marktanteil von 50 Prozent. Jabong kommt auf einen Anteil von 25 Prozent.

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