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20.02.2014
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WhatsApp-Übernahme
Facebooks Milliardendeal irritiert die Hightech-Industrie

Von Thomas Schulz, Spiegel Online

REUTERS

Facebook kauft WhatsApp - und zahlt den gigantischen Preis von 19 Milliarden Dollar. Die Summe schreckt den Rest der Hightech-Branche auf, ein Google-Manager hat nur Spott übrig.

Fast nie stehen im Silicon Valley die Räder still, doch am Mittwochabend ging für einige Stunden so gut wie nichts mehr. Die Nachricht hatte das Tal getroffen wie ein Donnerschlag: Facebook kauft den Messenger-Dienst WhatsApp.

Nicht die Übernahme selbst war Grund des Schocks. Das soziale Netzwerk und der Nachrichtendienst passen gut zusammen, seit zwei Jahren hatte es immer wieder Gespräche zwischen den beiden Unternehmen gegeben. Was für Unruhe sorgt, ist der Preis: insgesamt 19 Milliarden Dollar. "Die haben wohl ein Komma nach der Eins vergessen", kommentiert ein Google-Manager. "Das ist doch durchgeknallt", sagt ein führender Yahoo-Ingenieur. Wen man auch fragte, die Reaktion war stets die gleiche.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg und WhatsApp-Gründer Jan Koum bemühten sich im Anschluss in einer Telefonkonferenz mit Journalisten und Investoren, den enormen Preis zu rechtfertigen.

WhatsApp hat 450 Millionen Nutzer. Täglich kommt fast eine Million hinzu, vor allem außerhalb der USA, wo Facebook Chart zeigen mit seinem eigenen Messaging-Dienst schwächelt. Die als SMS-Alternative genutzte App hat ein funktionierendes Geschäftsmodell, 99 Cent pro Download, und verdient Geld.

All das sind sehr gute Gründe für einen Unternehmenskauf. Aber nicht für einen so astronomischen Preis. Zum Vergleich: Noch vor zwei Jahren galt die Übernahme von Instagram durch Facebook für knapp eine Milliarde Dollar als überteuert. Microsoft wurde kritisiert, für Skype mit rund acht Milliarden Dollar einen Mondpreis gezahlt zu haben. Die Übernahme von Nest durch Google Chart zeigen vor wenigen Wochen für 3,5 Milliarden Dollar galt bis eben noch als gewagt.

Dreistellige Millionenbeträge für Klitschen

Die Folgen sind klar: Die Preise für Internet- und Technologieunternehmen werden weiter explodieren. Selbst kleinste Start-up-Klitschen werden nun dreistellige Millionenbeträge aufrufen können. Vor wenigen Monaten hatte Snapchat, ebenfalls eine beliebte Messenger-Anwendung, ein Angebot von Facebook für drei Milliarden Dollar abgelehnt. Damals galt das als arrogant, heute als klug.

Dieses Mal wollte Facebook sicher sein, nicht wieder verschmäht zu werden. Zuckerberg und Koum haben persönlich die Details in Zuckerbergs Haus ausgehandelt. Bei einem Teller schokoladenüberzogener Erdbeeren, so heißt es.

Es ist das bislang deutlichste Signal, wie hart der Konkurrenzkampf unter den Technologieriesen geworden ist. Die meist werbegetriebenen Geschäftsmodelle beruhen auf enormen globalen Nutzerzahlen und anhaltend großem Wachstum. Wer auch nur einen Moment schwächelt, wird abgestraft. Als Twitter vor wenigen Wochen schwaches Nutzerwachstum verkünden musste, brach der Börsenkurs sofort ein. Die Angst, den Anschluss zu verlieren, ist entsprechend groß. Schon seit einiger Zeit versuchen sich die großen Konzerne deswegen mit Übernahmen zu behelfen. Egal ob Apple Chart zeigen oder Yahoo Chart zeigen: Nicht selten werden inzwischen bis zu zwei Dutzend Firmen pro Jahr hinzugekauft.

Der Zwang, Wachstum zu kaufen

Auch Facebook sah sich nun offenbar gezwungen, Wachstum zu kaufen. Denn aus eigener Kraft zu wachsen, vor allem bei Jugendlichen, fällt dem sozialen Netzwerk zunehmend schwer.

Das soll nicht heißen, dass nicht auch scheinbar wahnsinnige Übernahmen im Rückblick doch noch als brillant gelten können. Als Google für rund 1,6 Milliarden Dollar YouTube kaufte, war die Skepsis enorm - mittlerweile zeigt sich, dass sich das Geschäft gelohnt hat. Facebook-Chef Zuckerberg ist jedenfalls der Meinung, so ließ er in der Telefonkonferenz durchblicken, dass die 19 Milliarden Dollar für WhatsApp jetzt immer noch besser seien als ein paar Milliarden mehr in wenigen Monaten.

So wird es sicher nicht die letzte Übernahme dieser Art gewesen sein. Die großen Technologiekonzerne sitzen noch immer auf Bergen von Bargeld. Google etwa verfügt über rund 50 Milliarden Dollar, Apple sogar über rund 130 Milliarden.

Für die Technologiebranche ist das jedoch eine problematische Entwicklung. Wenn sich nur noch eine Handvoll führender Konzerne Zukäufe leisten können, bleibt die Vielfalt auf der Strecke. Und damit meistens auch der Nutzer.

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