Samstag, 30. Juli 2016

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Soziale Firmennetzwerke Wege aus der E-Mail-Flut

Überblick: Die führenden Unternehmensnetzwerke
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Corbis

E-Mail-Flut, hunderte Spam-Mails und ständige Erreichbarkeit - als unkomplizierte Kommunikationsform gestartet, haben sich E-Mails für viele Firmen zur zeitfressenden Plage entwickelt. Soziale Firmennetzwerke können Abhilfe schaffen - doch die haben ihre Tücken.

Hamburg - Wenn es ums Thema E-Mail geht, läuft Atos-Deutschland-Chef Winfried Holz zu Höchstform auf. 80 Prozent davon seien im Grunde unnötig, so seine Analyse der rund 200 täglich bei ihm eingehenden E-Mails. "50 Prozent können sofort weg", sagt er. Rechnet man die ganzen CC-Mails raus, bei denen der Adressat eigentlich jemand anderes ist, "bleiben 20 Prozent, die wirklich arbeitsrelevant sind".

Kam früher der Mann von der Poststelle vielleicht zwei Mal am Arbeitsplatz vorbei, sind wir mittlerweile ständig per Mail erreichbar. Im Minutentakt rieseln immer neue Nachrichten in unsere elektronischen Postfächer ein - was wirklich wichtig ist, lässt sich häufig nicht auf den ersten Blick feststellen. Atos-Chef Thierry Breton hat jedoch einen Plan, der die Laune von Winfried Holz stark verbessern dürfte: Bis Ende 2013 sollen nach dem Willen des Franzosen sämtliche Mails aus der internen Kommunikation des Unternehmens verschwunden sein.

Um 13 Prozent wächst die weltweite E-Mail-Flut Schätzungen des Marktforschungsinstititutes Radicati zufolge pro Jahr. Allein 2012 schwappten demnach täglich 89 Milliarden Geschäftsmails durch das Netz - rund 110 pro Beschäftigtem. Eine Zahl, die bis 2016 noch auf mehr als 143 Milliarden steigen dürfte.

Wie Atos sämtliche Mails aus der Kommunikation der Firma tilgen will

Mit entsprechenden Folgen für die Unternehmen. Für sie geht mit jeder nutzlosen Mail kostbare Arbeitszeit verloren. Fünf bis 20 Stunden pro Woche täglich sind Führungskräfte Schätzungen zufolge alleine mit dem Lesen und Schreiben von E-Mails zugange. Eine Zahl, die einige Etagen darunter noch deutlich höher liegen könnte und Unternehmen wie Volkswagen Börsen-Chart zeigen schon veranlasste, ab einem bestimmten Zeitpunkt nach Feierabend an einen Teil seiner Beschäftigten gar keine E-Mails mehr weiterzuleiten

Geht es nach Atos-Chef Thierry Breton, muss sich Holz nicht mehr lange ärgern: 6000 Beschäftigte bei Atos sind schon E-Mail-los. Die übrigen 68.000 sollen bis zum Jahresende folgen.

Für die Außenkommunikation wird die elektronische Post zwar auch weiter benutzt. Intern soll die Kommunikation dann aber über Bluekiwi laufen, ein sogenanntes "enterprise social network", das Atos im vergangenen Frühjahr für eine zweistelligen Millionen-Euro-Betrag gekauft hat - und für das er auch mit Hilfe seiner Zero-E-Mail-Initiative neue Kunden sucht.

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