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27.02.2013
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Nokia
"Wir stehen bereit, um Apple zu helfen"

Aus Barcelona berichtet Astrid Maier

Nokias Aufholjagd: "Vier von fünf Autos fahren schon mit unseren Karten"
DPA

Nokias Aufholjagd: "Vier von fünf Autos fahren schon mit unseren Karten"

Apples Karten-Dienst-Fiasko habe eine wichtige Diskussion angestoßen, sagt Nokia-Vorstand Michael Halbherr. Er erklärt, warum Nokia allein 6000 Mitarbeiter für Kartendienste einsetzt, wie der Konzern die Marktführerschaft bei mobilen Maps erobern kann - und wie sich Nokias "City Lens" von Googles 3-D-Brille unterscheidet.

mm: Herr Halbherr, ganz ehrlich: Haben Sie sich neulich gefreut, als Apple Chart zeigen ein Fiasko mit seinem eigenen Karten-Dienst erlebt hat?

Halbherr: Das würde ich so nicht sagen. Aber die Diskussion um das Thema hat uns natürlich geholfen. Davor hieß es immer, Nokias Kartendienste seien zu ausgeklügelt. Gut genug tue es in dem Geschäft auch. Nun traut sich wohl niemand mehr, so etwas zu behaupten. Karten sind kein Gimmick, nicht bloß eine coole App. Dahinter steckt eine gewaltige Plattform, die man nicht einfach so schnell hochziehen kann.

mm: Wieso nicht? Im Silicon Valley ist doch alles möglich.

Halbherr: Weil es zu komplex und teuer ist. Das hat auch Google Chart zeigen erfahren müssen und Jahre lang gebraucht, bis sie da waren, wo sie heute stehen. Allein in Deutschland gibt es 250 unabhängige Betriebe des öffentlichen Verkehrs, deren Dienste alle integriert werden müssen.Und was nutzt es einem Anbieter, wenn er die besten Cafés in Paris erfasst hat, aber keine in New York? Manche Orte sind zudem ungenau erfasst. Dann muss der Punkt von Hand an den richtigen Ort geschoben werden, damit nicht alle zur südlichsten Ausfahrt eines Flughafens auf den Acker hingesteuert werden. Wir beschäftigen allein 6000 Mitarbeiter bei unseren Kartendiensten.

mm: Haben Sie Apple-Chef Tim Cook angerufen, um ihm Hilfe anzubieten?

Halbherr: Dazu will ich mich nicht äußern. Aber wir stehen absolut bereit, um Apple zu helfen.

mm: Nokia Chart zeigen galt als Pionier in dem Geschäft mit Karten und ortsbezogenen Diensten. Warum hat es nicht gereicht, um damit Apple und Google Paroli zu bieten?

Halbherr: Apple und Google liegen, was allein den Marktanteil im Handygeschäft anbelangt, in der Tat vorne. Aber wir haben erst vor kurzem begonnen, mit unseren Kartendiensten in die Breite zu gehen. Wir haben gerade eine Partnerschaft mit Firefox angekündigt, letztes Jahr mit Amazon Chart zeigen. Und viele mehr werden folgen. Vier von fünf Autos fahren schon mit unseren Karten. Auf den Windows-Smartphones von Samsung Chart zeigen oder HTC funktionieren unsere Maps auch. Wir sollten also in drei bis fünf Jahren noch einmal schauen, wer dann vorne ist.

mm: Sind ortsbezogene Dienste denn so entscheidend für den Konsumenten beim Gerätekauf geworden?

Halbherr: Im Web auf dem PC haben wir zwei entscheidende Technologiewellen erlebt: Suche und soziale Netzwerke. Das Internet ist inzwischen aber mobil verankert. Nun schälen sich ortsbezogenen Dienste als dritte, unabhängige Kategorie heraus. Denn mit den Möglichkeiten von Augmented Reality, der technologischen Verschmelzung von reeller und virtueller Welt also, entstehen auf einmal völlig neue Dienste, die es so vorher noch nie gegeben hat. Hier vorne mit dabei zu sein, wird entscheidend werden für künftigen Unternehmenserfolg.

mm: Google scheint Nokia in dem Bereich mit seiner Datenbrille voraus zu sein. Arbeitet Nokia auch an so einer virtuellen Sehhilfe?

Halbherr: Google ist uns hier nicht voraus, wir arbeiten sehr intensiv am Thema Augmented Reality und haben eigene Plattformen wie unsere "City Lense" geschaffen. Wir können schon ganze Städte in 3D damit abbilden. Bei uns hält man sein Handy vors Gesicht, um die virtuellen Infos zu sehen, bei Google trägt man eine Brille. Das ist nur eine Frage des Displays, nicht mehr. Wir investieren konsequent in Augmented Reality und sind auf dem Gebiet ganz weit vorne.

mm: Aber alle reden von Googles Datenbrille, kaum jemand von Nokias Angeboten. Können die Amerikaner einfach besser vermarkten?

Halbherr: Google vermarktet das in der Tat sehr geschickt. Am Ende wird es hoffentlich der ganzen Branche nutzen, denn so bringt man neue Technologien voran.

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    Michael Halbherr gehört zum Vorstand von Nokia und ist zuständig für Karten und ortsbezogene Dientse.









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