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23.01.2013
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Telekom
"Deutschland ist dabei, den Fortschritt zu verpassen"

Von Astrid Maier

Telekom-Aufsichtsratsvize und Verdi-Vorstand Lothar Schröder: "Der Glasfaserausbau kommt viel zu langsam voran"
DPA

Telekom-Aufsichtsratsvize und Verdi-Vorstand Lothar Schröder: "Der Glasfaserausbau kommt viel zu langsam voran"

Eine doppelt so schnelle Internetverbindung ohne Netzausbau: Der Kampf um die Technologie des Vectoring geht weiter. Die Telekom sieht eine Zukunftschance, die Konkurrenz fürchtet eine Remonopolisierung der Netze. Einen Tag vor der Anhörung bei der Bundesnetzagentur plädiert der stellvertretende Telekom-Aufsichtsratschef Lothar Schröder für ein Einlenken der Behörde.

mm: Herr Schröder, die Bundesnetzagentur will nun entscheiden, ob sie der Deutschen Telekom Chart zeigen die Technologie des Vectoring erlauben wird. Mit deren Hilfe könnte der Konzern doppelt so schnelle Internetverbindungen den Kunden anbieten, ohne dafür seine Netze auszubauen. Das Unternehmen müsste lediglich die bereits bestehende Kupferkabel-Infrastruktur aufrüsten. Warum sollte die Netzagentur einem ehemaligen Monopolisten so einen Trick erlauben?

Schröder: Weil Deutschland als Industriestandort gerade dabei ist, den Anschluss an den technologischen Fortschritt zu verpassen. Der Glasfaserausbau in Deutschland kommt viel zu langsam voran. Wegen der damit verbundenen hohen Kosten ist die Telekom nur in der Lage, jährlich 200.000 neue Glasfaseranschlüsse in die Haushalte zu verlegen. Macht sie in diesem Tempo weiter, dann wird es bis zum Jahr 2214 dauern, bis jeder deutsche Haushalt mit ultraschnellen Internetverbindungen versorgt sein wird. Wir sind hierzulande einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit.

mm: Dann sollte die Telekom eben mehr Geld in den Ausbau der Glasfasernetze investieren.

Schröder: So einfach ist das nicht. Niemand weiß, wann sich die damit verbundenen hohen Kosten für die Verlegung der Glasfaserleitungen bis direkt in die Haushalte hinein refinanzieren werden. Die Kunden sind es schließlich gewohnt, dass die Preise immer weiter fallen. Auch der Regulierer hat den Preisdruck nicht beendet. Mithilfe des Vectoring könnte die Deutsche Telekom innerhalb von nur fünf Jahren schon zwei Drittel aller deutschen Haushalte mit sehr schnellem Internet versorgen. Und die Kosten lägen hierfür bei vergleichsweise lediglich 1,2 Milliarden Euro pro Jahr. Es würde also in Werthaltigkeit wie Zukunftsfähigkeit investiert.

mm: Ziel der Bundesregierung ist es, dass alle Haushalte mit Telekommunikations-Netzen der neuesten Generation versorgt werden. Vectoring alleine würde also auch nicht ausreichen.

Schröder: Zwei Drittel sind in der Tat noch nicht 100 Prozent. Für den restlichen Ausbau ist die Branche auf öffentliche Mittel angewiesen. Dank UMTS-Lizenzverkauf, Telekom-Börsengang und Dividendenzahlungen sowie den jüngsten Frequenzversteigerungen hat der Telekommunikationsmarkt in der Vergangenheit einen enormen Beitrag zur Finanzierung des Bundeshaushalts beigetragen. Jetzt ist der Bund gefragt, Finanzierungslücken bei der Erschließung aller Haushalte zu schließen.

mm: Vectoring funktioniert nur, wenn ein Unternehmen die Kupferkabel kontrolliert, um Störfrequenzen auszublenden. Die Konkurrenten laufen entsprechend Sturm gegen die Pläne der Telekom. Sie befürchten eine Remonopolisierung der Netze.

Schröder: Diese Vorwürfe sind völlig absurd. Die Telekom hat bereits angeboten, dass auch Konkurrenten über die Telekom-Infrastruktur Vectoring anbieten können. Die Telekom strebt hier ein offenes Modell an und ist auch gesprächsbereit für Kooperationen in Gebieten, in denen die Wettbewerber bereits selbst Netze ausgerollt haben.

mm: Und wenn die Bundesnetzagentur sich doch dagegen entscheidet?

Schröder: Das wäre die absurdeste industriepolitische Entscheidung, die ich mir überhaupt vorstellen kann. Zudem hängen für die Deutsche Telekom 5000 Arbeitsplätze von dieser Entscheidung ab.

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