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29.01.2013
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Start-up-Szene
"Klonen und Verkaufen funktioniert nicht mehr"

Von Mirjam Hecking

Samwer-Megawette: Der Internethändler Zalando
Zalando

Samwer-Megawette: Der Internethändler Zalando

Zalando, StudiVZ - mit dem Klonen erprobter Start-up-Ideen haben die Brüder Samwer viel Geld verdient. Doch deren Klonmodell hat sich überlebt, sagt Start-up-Gründer Johannes Reck. Er erklärt, warum das Ping-Pong-Spiel nicht mehr funktioniert und wie sich der deutsche Markt entwickelt.

mm: Herr Reck, Sie haben mit ihrer Buchungsplattform GetYourGuide kürzlich 14 Millionen Dollar eingesammelt - eine Menge Geld für ein deutsches Start-up. Die Medienberichterstattung darüber hielt sich allerdings in Grenzen.

Reck: Hier in Deutschland interessiert sich jenseits der Samwer-Brüder kaum jemand für Start-ups. Dass es diesen Gründerstandort Deutschland gibt und dass hier - trotz Schuldenkrise - nach wie vor sehr tolle Unternehmen gebaut werden, wird gar nicht so wahrgenommen. In den USA ist die Berichterstattung darüber viel umfassender. Die einzigen, die es geschafft haben, wirklich Medienaufmerksamkeit zu bekommen, sind die Samwers - mit einem sehr zwiespältigen Ansatz. Aber damit ist es ja jetzt eigentlich auch schon wieder vorbei.

mm: Wieso?

Reck: Für kurze Zeit hat das geklappt, das schnelle Kopieren und Verkaufen. Aber die Firmen, die sie verkauft haben, sind ja letztlich nichts anderes als Hülsen gewesen, schnell gefüllt mit vielen kleinen Mitarbeitern, die den großen Samwer-Plan ausführen sollten. Aber jetzt funktioniert das Pingpong-Spiel, dass sie einen Klon aufmachen und ihn dann wieder zurückverkaufen an das Original in die USA - nicht mehr. Warum? Die machen das nicht mehr. Mir hat kürzlich ein sehr erfolgreicher amerikanischer Start-up Unternehmer, der von den Samwers kopiert wurde, gesagt: 'Das Schlimmste, was man den Samwers antun kann, ist, dass sie Firmen, die sie klonen, langfristig aufziehen müssen. Und genau das tun wir ihnen jetzt an.'

mm: Aber mittlerweile haben die Samwers ihr Geschäftsmodell ja auch diversifiziert.

Reck: Ja, aber sie sitzen auch auf ziemlich vielen Altlasten. Und haben sehr, sehr viele Unternehmen, die sie mit Millionen vollgepumpt haben und deren Zukunft unklar ist. Aber die Stunde der Wahrheit wird bald schlagen. Dabei ist die Leistung eigentlich beachtlich. Sie haben ihr Modell gut durchgedrückt - und sind reich geworden. Aber für Deutschland war das nichts Nachhaltiges. Im Moment schält sich jedoch eine neue Garde heraus - und die arbeitet ganz anders.

mm: Vor allem Berlin gilt ja mittlerweile als internationale Startup-Wiege. Ist Deutschland innovativer als sein Ruf?

Reck: Die Europäer fragen immer, warum kommen Google, Facebook, eBay, Twitter und Amazon aus Amerika. Das liegt nicht daran, dass deutsche Ingenieure dümmer wären. Das liegt daran, dass die Amerikaner die auch gepusht haben und es geschafft haben, etwas aus ihrer Stärke zu machen und zu expandieren

mm: Konkret. Was fehlt? Woran hakt es noch?

Reck: Es wurde hierzulande nie ein richtiges Ökosystem entwickelt, in dem Start-ups richtig gedeihen können. Man hat gar nicht geschaut, wie funktioniert eigentlich nachhaltiger Unternehmensaufbau.

Was in Deutschand fehlt, ist die klassische Seed- und Frühphasen-Investition. Da gibt es den Hightech-Gründer-Fonds, der auch tolle Arbeit leistet. Es gibt ein wachsendes Netzwerk von Business-Angels, weil auch immer mehr Internetunternehmer Geld gemacht haben und das nun zurückinvestieren. Aber letztlich ist da immer noch eine enorme Lücke. Es gibt noch immer nicht genügend intelligente Kapitalgeber, die den Markt kennen, die bereit sind ihr Geld in Internetunternehmen zu stecken und sie mit ihrem Wissen auch zu begleiten. Und das ist es ja, was das Silicon Valley so stark macht. Auch bei einem Investitionvolumen von 1,2 oder 3 Millionen Euro sieht es nicht wirklich rosig aus. In dem Moment, wo es größer wird ist man dann ja sowieso schon in einem internationalen Radar. Dann fliegt man nach London oder in die USA und da gibt es dann genug Kapitalgeber.

mm: Wieso nicht in Deutschland?

Reck: Institutionelle Investoren, die in digitale Medien investieren, gibt es in Deutschland fast nicht. Das ist typisch deutsch - man ist gut darin, operationelle Geschäfte aufzuziehen. Aber wenn es um die Finanzierung geht, sind die Angelsachsen deutlich risikoaffiner. Wenn man sich deutsche Start-ups anschaut wie Soundcloud oder Wooga - auch auch unsere größten Aktionäre sind alle Angelsachsen.

mm: Was muss sich ändern?

Reck: Von der Finanzseite herrschen hierzulande noch Darlehens-Modelle vor, mit denen über Jahrzehnte erfolgreich deutsche Mittelstands-Unternehmen aufgebaut wurden. Das hat damals prima funktioniert. Nur: Sie haben heute nicht mehr 20, 25 Jahre um ein Unternehmen aufzubauen, sondern zwei bis vier. Und da haben sie einfach einen anderen Kapitalbedarf. Da müssen sie viel schneller und aggressiver in die neuen Märkte hineingehen. Die Angelsachsen denken da auch viel weniger in Ebitda. Denen geht es in erster Linie um Marktanteile.

mm: Trotzdem scheint es ja um die deutsche Gründerlandschaft nicht zu schlecht zu stehen.

Reck: Ja, es gibt eine positive Entwicklung, die den Deutschen in die Hände spielt. Im Vergleich zu amerikanischen Kollegen in San Francisco oder New York sind deutsche Arbeitnehmer mittlerweile regelrecht günstig. Die Profitmargen von den Googles und Facebooks der Welt sind mittlerweile so hoch, dass sie für gute Leute beliebig viel Geld zahlen. Der Markt in den USA ist aktuell so leergefegt, dass es für junge Unternehmen immer schwieriger wird, überhaupt junge Informatiker einzustellen - und es ist extrem teuer.

Der Vorteil eines Start-ups, das jetzt im Silicon Valley startet, ist trotz des Umfelds deutlich gesunken. Das sehen auch die Kapitalgeber. Wir haben die Köpfe, die Infrastruktur und die operativen Möglichkeiten - und gleichzeitig sind wir billig. Jetzt müssen wir einfach noch mehr Unternehmen bauen, die schlaues Kapital und Investoren anziehen.

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    Johannes Reck hat im Jahr 2010 mit zwei Kommilitonen die Buchungsplattform GetYourGuide ins Netz gebracht, der er heute als CEO vorsteht. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben die weltweit größte Online-Buchungsplattform für Touren und touristische Aktivitäten an Urlaubszielen schon vor Reiseantritt.









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