Montag, 19. Februar 2018

Kosten-Nutzen-Vergleich Wann sich IT-Freelancer für Firmen rechnen

Freie Mitarbeiter in IT-Projekten sprechen oft unangenehme Wahrheiten aus

2. Teil: "Es gibt eine gewisse Unaufgeklärtheit im Markt"

Auf Basis der Produktivität vergleicht die Studie auch Kosten und Nutzen von Freelancern gegenüber Festangestellten in den IT-Abteilungen. Projektleiter wägen diese beiden Punkte genau ab, bevor sie für eine Aufgabe neue feste oder freie Mitarbeiter an Bord holen, sagt Reuter. Doch dabei gebe es eine "gewisse Unaufgeklärtheit im Markt", drückt er es aus.

Projektverantwortliche multiplizieren dabei gerne die Freelancer-Stundensätze mit der geschätzten Zahl an Arbeitsstunden, vergleichen das mit dem Gehalt eines Festangestellten - und lehnen die Beschäftigung von freien Mitarbeitern aus Kostengründen ab. "Dieser Vergleich hinkt", so Reuter. "Der Freelancer hat mit seinen Umsätzen erhebliche unternehmerische Risiken und auch eine private Alters- und Krankenabsicherung ohne Arbeitgeberanteil abzudecken. Und hat er kein Folgeprojekt, dann fehlt sofort der Umsatz."

Oft übersehen sie dabei, dass Freelancer sich nicht nur selbst versichern, sondern auch mögliche Leerlaufzeiten abfedern müssen. Auch Festangestellte kommen ein Unternehmen wesentlich teurer, als ein Blick auf den Lohnzettel suggeriert. Denn dort sind die tatsächlichen Lohnnebenkosten ebenso wenig aufgeführt wie weitere Ausgaben, die ein Mitarbeiter verursacht. Die reichen von der Nutzung eines Dienstwagens über das Kantinenessen bis hin zu teuren Weiterbildungen, die ein Mitarbeiter möglicherweise für ein Projekt besucht.

All diese Kosten sind im Kosten-Nutzenvergleich berücksichtigt. Die Studie entwirft dabei zwei Szenarien. Im konservativen wird die Zeit ausgeblendet, die vom Feststellen des Personalbedarfs für ein IT-Projekt bis zum Arbeitsbeginn eines festen oder freien Mitarbeiters verstreicht. Obwohl IT-Freelancer Stundensätze von 80 Euro aufwärts verlangen, sind sie selbst im konservativen Szenario acht Monate lang günstiger als ein Festangestellter - denn ihren deutlich früheren Produktivitätsstart holt ein Festangesteller nur langsam ein.

Freelancer sind in Projekten früher produktiv

Im progressiven Modell fließen auch die Kosten und Zeit für die Einstellung neuer Mitarbeiter ein. Mit dem Schalten von Anzeigen und dem Einhalten möglicher Kündigungsfristen vergehen laut der Studie sechs Monate bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn eines neuen, fest angestellten IT-Mitarbeiters.

Das verschiebt die Kosten-Nutzen-Rechnung drastisch. Denn bei Einrechnung der Rekrutierungsdauer werden Festangestellte erst nach neun Monaten produktiv, während Unternehmen für die Freelancer-Suche nur einen Monat aufwenden müssen. Nach dem zweiten Monat arbeitet der Freelancer laut der Studie bereits produktiv. Das verschafft ihm einen lang anhaltenden Vorsprung. Ganze 25 Monate verstreichen, bis Festangestellte bei den Kosten mit den Selbstständigen gleichziehen.

Die Ergebnisse der Untersuchung gelten vor allem für mittlere Hierarchieebenen, schränkt Reuter jedoch ein. IT-Vorstandsposten werden nur in seltenen Fällen mit Freelancern besetzt. Selbständige IT-Spezialisten mit Stundensätzen unter 40 Euro, beispielsweise im Support, bietet Etengo seinen Kunden nicht an.

Die Freelancer, die Etengo vermittelt zählen zu den IT-Spezialisten und setzen laut Angabe von Reuter im Schnitt 10.000 Euro pro Monat um. Etliche auch noch deutlich mehr. "Unsere Freelancer sind keine Geschassten", sagt Reuter. " Wir reden hier über Unternehmer, die sich an einem Punkt ihrer Karriere bewusst für die Selbstständigkeit entschieden haben und in Deutschland zu den Top-Steuerzahlern zählen".

IT-Projekte: Wie Unternehmen sich vor Abzockern schützen

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