Dienstag, 28. Juli 2015

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Shutterstock-Gründer Jon Oringer "Wir verkaufen zwei Bilder pro Sekunde"

Fotograf, Programmierer, Hubschrauberpilot: Shutterstock-CEO Jon Oringer
Daniella Zalcman
Fotograf, Programmierer, Hubschrauberpilot: Shutterstock-CEO Jon Oringer

Der Gründer des Fotomarktplatzes Shutterstock hat die einst von Getty und Corbis dominierte Welt der Bildagenturen umgekrempelt. Im Gespräch verrät er, warum er sein Unternehmen jetzt an die Börse gebracht hat und wieso Smartphones und Tablets die Branche erneut radikal verändern.

mm: Herr Oringer, wie kamen Sie 2003 zu der Idee, 30.000 Fotos zu schießen und damit gegen etablierte Fotoagenturen wie Getty Images oder Corbis anzutreten?

Oringer: Aus meinem eigenen Bedarf heraus. Ich hatte damals schon mehrere kleinere Software-Unternehmen gegründet. Und ich brauchte jedesmal Bilder. Zum Beispiel, um Kunden in E-Mails über Updates zu informieren. Bei den traditionellen großen Fotoagenturen wie Getty und Corbis kosteten die Bilder, die ich suchte, allerdings zum Teil tausende Dollar pro Stück. Bei anderen Anbietern gab es zwar Bilder, die ich mir leisten konnte, die aber ständig auch von anderen genutzt wurden. Also dachte ich mir, es muss da etwas anderes geben, das in der Mitte dieser beiden Extreme liegt.

mm: Also haben Sie Shutterstock gegründet. Waren Sie sofort profitabel?

Oringer: Es ging recht schnell. Nicht sofort, aber so ungefähr nach sechs Monaten.

mm: Sie haben viel gespart, weil Sie von der Programmierung, über die Fotoproduktion bis hin zum Marketing alles selbst in die Hand genommen haben.

Oringer: Ja, auch das Team habe ich selbst zusammengestellt - also vor allem weitere Programmierer, Kundenberater und später auch Marketingleute.

mm: Selbst auf Venture Capital haben Sie zunächst verzichtet. War das rückblickend der richtige Weg?

Oringer: Dadurch, dass ich kein Venture Capital angenommen habe, war ich gezwungen, jeden Dollar zweimal umzudrehen. So musste ich effizient planen und umsetzen. Das hat dem Unternehmen, denke ich, gut getan. Und bis heute habe ich auch keine Investoren im Boot, die das Unternehmen kontrollieren und den Pfad vorgeben.

mm: 2007 haben Sie aber doch Venture Capital eingesammelt.

Oringer: Bei dem damaligen Deal mit Insight Venture Partners ging es um ein Private-Equity-Engagement. Ich habe das gemacht, um mein persönliches Risiko zu verringern und Expertise ins Unternehmen zu holen. Und ich suchte jemanden, der mir helfen konnte, die Mitarbeiterzahl in kurzer Zeit von etwas mehr als dreißig zu vervielfachen. Außerdem wollte ich das Unternehmen eines Tages an die Börse zu führen. Und Insight Venture hatte diese Expertise.

mm: Seit Mitte Oktober notiert Shutterstock nun an der Börse. Warum nehmen Sie kurzfristige Investoreninteressen und strenge Berichtspflichten in Kauf, wenn Sie das zusätzliche Kapital eigentlich nicht brauchen?

Oringer: Wir brauchen das Geld nicht kurzfristig. Es ging eher darum, dass wir als börsengelistetes Unternehmen öffentlich anders wahrgenommen werden. Dies gilt gerade, wenn wir mit großen Kunden sprechen wie Kozernen, Verlagen oder Agenturen. Außerdem erlaubt uns die Börsennotierung so flexibel wie möglch zu handeln. Wir können jetzt zum Beispiel Kapitalerhöhungen durchführen.

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