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21.11.2012
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Hewlett Packard
HP-Fehleinkäufer riskieren Firmenexistenz 

Von Markus Gärtner

HP-Chefin Meg Whitman: Haufenweise Probleme zu lösen
Getty Images

HP-Chefin Meg Whitman: Haufenweise Probleme zu lösen

Hewlett-Packard gerät in einen Zweifrontenkrieg. Im traditionellen PC- und Druckergeschäft sinken die Marktanteile, binnen Monaten entpuppte sich der zweite strategische Zukauf als Milliardengrab. Dennoch gibt es Zeichen, dass HP-Chefin Meg Whitman die Wende gelingen kann.

New York/Vancouver - Hewlett-Packard hat Analysten und Börsianer gleichermaßen geschockt. Die Abschreibung von 8,8 Milliarden Dollar im jüngsten Quartal, davon fünf Milliarden auf das Konto des vor einem Jahr übernommenen britischen Softwareunternehmens Autonomy, ist schon das zweite Milliardengrab, das innerhalb weniger Monate bekannt wird.

Im August musste die neue Vorstandschefin Meg Whitman - die im September 2011 angetreten war um das Ruder herum zu reißen - ebenfalls acht Milliarden Dollar in den Wind schreiben, damals auf den 13,2 Milliarden Dollar teuren Kauf von Electronic Data Systems aus dem Jahr 2008. Der Kauf war von Whitmans Vor-Vorgänger Mark Hurd in die Wege geleitet worden, um stärker in das lukrative Firmengeschäft gegen den US-Konkurrenten IBM Chart zeigen in den Ring zu steigen. Whitmans direkter Vorgänger Leo Apotheker hatte Autonomy in der Absicht erworben, HP stärker im Softwaresektor aufzustellen und mit dem Gang in die "Wolke" das traditionelle Hardware-Segment zu diversifizieren.

Das Debakel um Autonomy wirft nicht nur die Frage auf, wie Kompanien von Buchprüfern, Anwälten und Investmentbanken übersehen konnten, dass HP - wie es behauptet - durch eine geschönte Bilanz betrogen wurde. "Das wäre schon ziemlich spät gewesen, dass HP solche Unregelmäßigkeiten entdeckt", sagt auch der Analyst George O'Connor beim Brokerhaus Panmure Gordon & Co in London. Doch die eigentlich schlechte Nachricht steht im frisch vorgelegten Bericht für das Quartal bis zum 31. Oktober.

In den großen Segmenten des Kerngeschäfts stehen überall kräftige Minuszeichen, ein Beweis, dass HP in einen schwierigen Zweifrontenkampf mit ungewissem Ausgang verwickelt ist: Schwindende Marktanteile im traditionellen Hardware-Geschäft, und gleichzeitig Rückschläge beim Aufbau neuer Geschäftsfelder, die die Zukunft des Unternehmens mit 320.000 Beschäftigten sichern sollen.

Bis Ende 2014 satte 29.000 Stellen gestrichen

Die Verkaufserlöse mit PCs im Personal-Systems-Segment gingen gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent zurück und liegen bei Privat- wie Firmenkunden zweistellig im Minus. Der Umsatz mit Druckern fällt im Vorjahresvergleich 5 Prozent. Dienstleistungen schrumpften um 6 Prozent, und das Geschäft mit Firmen-Servern, Datenspeicherung und Netzwerklösungen um 9 Prozent. Whitman will bis Ende 2014 satte 29.000 Stellen abbauen, um jährlich 3,5 Milliarden Dollar einzusparen und unter anderem die Forschungs- und Entwicklungsausgaben (F&E) wieder hochzufahren. Ferner sollen die Modellportfolios im Druckergeschäft schlanker werden, Technologiedienstleistungen überholt und die Rückkehr in den Tablet-Markt mit dem Elite Pad für Business-Anwender im Januar gewagt werden. Zudem steht eine Forcierung von Produkten für Datenzentren in den Firmen auf dem Plan.

"HP hat eine Menge tief sitzender Probleme", erklärt der Investmentstratege Eric Maronak beim Vermögensberater Victory Capital Management in New York, "viel davon hat sich das Unternehmen selbst eingebrockt." Aber das ist nur die halbe Erklärung. Die großen Hardware-Hersteller in der PC-Welt kämpfen derzeit alle kräftig gegen den Strom. Die PC-Verkäufe werden im laufenden Jahr laut dem Markt-Spezialisten IHS iSuppli um 1,2 Prozent auf knapp 349 Millionen Einheiten zurückgehen. "Das Umfeld bleibt eine Herausforderung für HP und dessen Wettbewerber", sagt Abhey Lamba , ein Analyst beim Brokerhaus Mizuho Securities. Erik Gordon, Professor an der Ross School of Business der University of Michigan, fasst die aktuelle Lage von HP so zusammen: "Alle haben entmutigende Nachrichten von HP erwartet, aber es ist schlimmer geworden. Die große Akquisition zum Ausbau des Cloud-Geschäfts (Autonomy) und des Datengeschäfts erweist sich als Desaster, das existierende Geschäft erodiert, und das zukünftige Geschäft sieht wackliger aus als je zuvor."

Meg Whitman will vor allem Stabilität in das Unternehmen bringen. Das Kommunizieren ihrer Turnaround-Strategie im eigenen Haus hat sie erst vor ein paar Tagen als ihre größte Herausforderung bezeichnet. Einen Turnaround erwartet Whitman nicht vor 2014. Beim IT-Symposium von Gartner Mitte Oktober in Orlando berichtete sie von Fortschritten in ihrem auf Jahre angesetzten Erneuerungsprozess. HP sei aufgestellt, um seine Führerschaft - die bei PCs, Druckern und Servern besteht - in die großen Wachstumssegmente des IT-Geschäfts auszudehnen.

Gemeint sind vor allem die Wolke, die Datensicherheit und die Informations-Optimierung. Der Fahrplan in die nähere Zukunft sieht laut Whitman so aus: 2012 war das Jahr, in dem eine Diagnose gestellt wurde. 2013 ist der Restrukturierung gewidmet. 2014 soll die Erneuerung erste Früchte tragen. Bis 2016 sollen die Geschäfte bei HP so schnell wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wachsen. Der operative Gewinn soll dann bereits schneller zulegen als die Verkaufserlöse. Ein Smartphone solle 2013 noch nicht kommen, sei aber geplant. Im Oktober wurde bereits das umfangreichste Upgrade für die Drucker in einem Jahrzehnt bekannt gegeben.

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