Montag, 27. April 2015

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Streit um Arbeitsklima Verdi prangert "Psychoterror" bei T-Mobile USA an

Laden von T-Mobile USA: Eine Verdi-Studie dokumentiert Verletzungen von Mitarbeiterrechten

Samthandschuhe sind das nicht: Die Gewerkschaft Verdi wirft der Deutschen Telekom "brutalen Psychoterror" gegenüber Mitarbeitern der US-Tochter T-Mobile USA vor. Die Telekom weist die Vorwürfe zurück - und teilt gegen Verdis Machtpolitik aus.

Bonn - Die Gewerkschaft Verdi und die Deutsche Telekom streiten erneut über den Umgang mit den Mitarbeitern der Telekom-Tochter in den USA. Eine Dokumentation zu Arbeitsbedingungen der 30.000 Beschäftigten ergebe das Bild eines Unternehmens, "das brutalen Psychoterror auf seine Mitarbeiter ausübt", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Mitarbeitern von Callcentern hätten etwa Eselsmützen tragen oder Strafarbeiten schreiben müssen, wenn sie Leistungsvorgaben nicht erfüllten.

Eine Sprecherin der Telekom entgegnete, es gehe um zwei Einzelfälle aus den Jahren 2009 und 2010, die längst abgestellt seien. Telekom-Personalchefin Marion Schick nannte in einer Stellungnahme die "Kampagne" der US-Kommunikationsgewerkschaft CWA mit Unterstützung von Verdi "falsch und verantwortungslos". "Über spektakuläre öffentliche Inszenierungen versucht man, seinen machtpolitischen Einfluss in den USA zu erhöhen", hielt sie den Gewerkschaften entgegen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft stützt ihre Vorwürfe auf eine Dokumentation, die sie mit US-Kommunikationsgewerkschaft CWA erarbeitet hat. Darin seien auch willkürliche Kündigungen und Verletzungen von Mitarbeiterrechten dokumentiert worden. Schröder sagte jedoch, die Einzelbeispiele seien nur die Spitze des Eisbergs und sprach von einem "Handlungsmuster" bei T-Mobile USA. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er, es würden alle Kniffe genutzt, um eine gewerkschaftliche Vertretung der Arbeitnehmer zu verhindern.

Zu Verhandlungen habe die Firma einen Anwalt geschickt, der sich selbst als Experte für die Verhinderung von Gewerkschaften bezeichne. Es seien Autokennzeichen von Mitarbeitern notiert worden, die Flugblätter der Gewerkschaft entgegengenommen hatten. "Es herrscht ein Klima der Angst", sagte Schröder. Im Vergleich zu anderen Unternehmen der Branche dort sei das Vorgehen von T-Mobile USA "erschreckend".

Die Telekom-Sprecherin sagte, die US-Gewerkschaft könne sich entsprechend den Gesetzen zur Wahl stellen, in der Branche finde sie jedoch nur bei ganz wenigen Prozent der Beschäftigten Anklang. Bei T-Online USA habe sich lediglich in einer, nur 15 Mitarbeiter umfassenden Einheit die Mehrheit für die Gewerkschaft entschieden. Die sei nun auch als Tarifpartner anerkannt.

wed/dpa/dapd

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