Montag, 29. Mai 2017

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Smartphones App-solutes Risiko

Smartphones: Nutzer installieren im Schnitt 23 Apps auf ihren Geräten. Doch offenbar sind viele der Programme nicht sicher

Viele Smartphone-Apps weisen zum Teil gravierende Sicherheitsprobleme auf, wie eine Studie zeigt. Unter den populärsten Apps fiel sogar jede Dritte durch den Test. Experten rufen nach dem Gesetzgeber - und warnen die Nutzer vor Leichtsinn.

Hamburg - Eine Milliarde Nachrichten pro Tag: Die Smartphone-App WhatsApp zum Versenden und Empfangen von kostenlosen Kurznachrichten war auf bestem Wege, die SMS überflüssig zu machen. Doch im September schreckten Medienberichte die User auf: die Nutzerkonten ließen sich relativ leicht durch Dritte kapern.

Sicherheitslecks bei Apps - neu ist diese Entwicklung nicht. Schon im Juni schlug Stiftung Warentest Alarm: Bei einem Test von 63 Programmen wurden 9 Applikationen als "sehr kritisch" und weitere 28 als "kritisch" bewertet. Erst vor wenigen Tagen warnte die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner: "Zahlreiche Smartphone-Apps greifen auf Daten zu, die sie für ihren eigentlichen Zweck gar nicht brauchen", kritisierte die Ministerin.

Wie häufig diese Fälle sind, war bislang unklar. Nun zeigt eine neue Studie eines auf App-Sicherheit spezialisierten Unternehmens: Offenbar sind viel mehr Programme betroffen als gedacht.

Das Unternehmen Media Test Digital hat in den vergangenen zwei Jahren rund 900 Apps für Apples Betriebssystem iOS und für Googles Android getestet. Jede dritte App wies zum Teil gravierende Sicherheitsmängel auf: Sie übermittelte ungefragt sensible Nutzerdaten wie Gerätenummern oder den Standort, sendete vom Nutzer bestätigte Daten unverschlüsselt oder schickte Daten des Nutzers an fragwürdige Empfänger wie Werbetreibende.

Jede dritte App fiel durch

Unter den betroffenen Apps finden sich prominente Beispiele aus den vergangenen Monaten: So verstieß beispielsweise die App der Airline Easy Jet genauso gegen die Testkriterien wie auch das Programm des Urlaubsvergleichsportals Expedia Börsen-Chart zeigen oder die Applikation des Fußball-Magazins "11 Freunde".

Die Kriterien für die drei- bis viertägigen Tests pro Applikation stammen von Media Test Digital selbst. "Bislang gibt es keine international gültigen Standards, um die Sicherheit von Apps zu beurteilen", sagt Sebastian Wolters, CEO von Media Test Digital. Es handele sich aber um offensichtliche Verstöße gegen die Datensicherheit. Viele andere Programme verletzten die Kriterien zwar nicht, sind aber ebenfalls problematisch: "Wenn wir das deutsche Bundesdatenschutzgesetz zum Maßstab nehmen würden, würden 70 bis 80 Prozent der Apps durch den Test fallen", sagt Wolters.

Repräsentativ ist die Untersuchung allerdings nicht. Schließlich hat Media Test Digital nur rund 900 Apps getestet. Insgesamt sind aber für iOS und für Android jeweils rund 700.000 Applikationen erhältlich. Doch die Auswahl basiert auf einem wichtigen Wert: Der Downloadzahl. Damit deckt die Statistik die bei Nutzern beliebtesten Applikationen ab.

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