Montag, 20. November 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Smartphones App-solutes Risiko

Smartphones: Nutzer installieren im Schnitt 23 Apps auf ihren Geräten. Doch offenbar sind viele der Programme nicht sicher

2. Teil: Rückgang bei Apple, Zuwachs bei Google

Von den Problemen sind Apple und Google gleichermaßen betroffen. Allerdings verläuft die Entwicklung gegenläufig. Bei Apple verstieß im Jahr 2012 etwas mehr als ein Viertel der getesteten Anwendungen gegen die Testkriterien. Im Jahr 2011 hatte dieser Anteil noch bei rund 33 Prozent gelegen.

Anders sieht die Entwicklung bei Googles Betriebssystem Android aus: Hier stieg die Zahl der betroffenen Programme von rund 33 Prozent im Jahr 2011 noch einmal deutlich auf fast 44 Prozent im Jahr 2012 an.

Apps sind für viele Nutzer aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die kleinen Programme haben sich in kurzer Zeit rasant verbreitet. Mitte des Jahres überschritt die Zahl der Downloads bei Apples App Store die Marke von 30 Milliarden. Im Jahr 2011 haben allein die deutschen Nutzer rund 962 Millionen Apps auf ihre Smartphones geladen.

Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom hat jeder Smartphone-Nutzer in Deutschland im Schnitt rund 23 Apps installiert. Der überwiegende Teil der Programme sind für die Nutzer kostenlos und finanzieren sich zum Beispiel durch Werbung. Anfang des Jahres schätzte Bitkom den Anteil der kostenpflichtigen Applikationen auf rund 12 Prozent. Der Umsatz durch Verkaufserlöse und Werbung ist stark gestiegen: Er lag in Deutschland im vergangenen Jahr bei rund 210 Millionen Euro, dies entsprach einem Anstieg von 123 Prozent zum Vorjahr.

Peter Schaar: "Die Situation muss sich grundlegend ändern"

Die Testergebnisse halten einige Experten für erschreckend. "Diese Entwicklung ist sehr bedenklich", sagt Lina Ehrig, Referentin für Telekommunikation, Post und Medien beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Zahlen zeigen, dass die Sicherheit von Applikationen eine große Herausforderung darstellt", sagt Arne Schönbohm, Vorsitzender der BSS AG und Präsident des deutschen Cyber-Sicherheitsrats. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar hält den Zustand für nicht akzeptabel: "Diese Situation muss sich grundlegend ändern", sagt Schaar.

Denn gegenwärtig gehen Nutzer von unsicheren Apps hohe Risiken ein. Im schlimmsten Fall verlieren sie die Kontrolle über ihre persönlichen Daten. Das ist auch deswegen ein Problem, weil Smartphones in immer größeren Maße in persönlichen Lebensbereichen zum Einsatz kommen. "Es geht dabei um sensible Daten. Das gilt besonders, weil zum Beispiel mobile Banking und elektronisches Bezahlen mit dem Smartphone immer wichtiger werden", sagt Lina Ehrig vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Geraten solche Daten in die falschen Hände, kann das teuer werden.

"Nutzer gehen ein handfestes finanzielles Risiko ein, wenn sie unsichere Apps auf ihrem Smartphone installieren. Das gilt zum Beispiel, wenn Passwörter oder die elektronische Identität entwendet werden", sagt IT-Sicherheitsexperte Arne Schönbohm. Dann kann es zum Beispiel passieren, dass Dritte unter falschem Namen Waren bestellen. "Online-Versandhäuser können Muster erkennen, wenn beispielsweise plötzlich bestimmte, wiederverkaufbare Güter wie Parfüm zu kriminellen Zwecken an eine neue Adresse geschickt werden, vielleicht sogar ins Ausland. Völlig sicher sind diese Systeme aber nicht", warnt Schönbohm.

Seite 2 von 4

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH