Sonntag, 31. Juli 2016

Gruner+Jahr Bertelsmann plant Übernahmecoup

Verlagshaus von Gruner + Jahr in Hamburg: Bertelsmann gehören bislang 74,9 Prozent der Anteile. Die Gütersloher zielen auf die Komplettübernahme

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann will den Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ("Stern", "Geo", "Brigitte") komplett übernehmen. Die Gütersloher wollen die Familie Jahr bei Gruner+Jahr herauskaufen und sie an Bertelsmann selbst beteiligen.

Hamburg - Derzeit verhandele Vorstandschef Thomas Rabe (47) mit Vertretern der Familie Jahr um einen Tausch von deren G+J-Anteil in Höhe von 25,1 Prozent gegen eine Beteiligung an Bertelsmann selbst. Dies berichtet das manager magazin in seiner am Freitag (24. August) erscheinenden Ausgabe.

Bertelsmann, der größte europäische Medienkonzern (Umsatz: 15,3 Milliarden Euro) verspreche sich durch den Eigentümerwechsel sowohl höhere Einsparmöglichkeiten als auch eine bessere Kontrolle in dem immer schwierigeren Printmediengeschäft.

Wie es in Unternehmenskreisen heißt, strebe die Familie Jahr einen Bertelsmann-Anteil von mindestens 5 Prozent an. Zuvor hatte die BHF-Bank ein Gutachten vorgelegt, wonach der Wert des jahrschen G+J-Pakets knapp 4 Prozent an Bertelsmann entspräche.

Möglicher Verzicht auf Garantiedividende

Die Differenz erklärt sich aus dem möglichen Verzicht auf verschiedene Sonderrechte (u.a. eine Garantiedividende), die die Jahrs bei G+J (Umsatz: 2,3 Milliarden Euro) genießen und auf die sie im Falle einer Einigung möglicherweise verzichten würden. Laut manager magazin sollen die Verhandlungen bis Ende Oktober zum Abschluss gebracht werden.

Um die Kapitalkraft des Konzerns zu stärken, plane Vorstandschef Rabe weitere Maßnahmen: Man denke daran, Partner bei den einzelnen Sparten aufzunehmen, etwa bei Random House, der größten englischsprachigen Buchverlagsgruppe der Welt. Hier sei eine Zusammenlegung mit Penguin Books im Gespräch, die zur englischen Pearson-Gruppe gehört. Auch Harper Collins sei eine Option.

Auch eine Lockerung des Finanzierungsspielraums sei bei Bertelsmann im Gespräch. Bislang betrage die Verschuldung das Zweieinhalbfache des Operating Ebitda. Dieser Faktor könnte auf 3 bis 3,5 erhöht werden.

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