Sonntag, 22. April 2018

Wirtschaftskrise Die neuen Leiden der Telekoms

Die andere Schuldenkrise: Europas Telekomgiganten im Vergleich
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DPA

Ob Telefonica, France Télécom oder KPN: Europas Telekom-Konzerne leiden unter dem Konjunktureinbruch, der bestehende Probleme verschärft. Es fehlt das Geld, um neue Geschäftsfelder zu erobern oder Angreifer abzuwehren. Schon sind Firmenjäger auf dem Sprung.

Hamburg - Wie es um den europäischen Telekommunikationsmarkt bestellt ist, lässt sich an mehreren Indikatoren ablesen.

Da sind zunächst die Zulieferer. Sei es die deutsch-finnische Nokia Siemens Networks, deren Sanierung den Konzernmüttern zuletzt die Bilanzen verhagelte. Sei es die französische Alcatel-Lucent Börsen-Chart zeigen, die Anfang Juli ihre Jahresprognose kassierte oder der schwedische Konkurrent Ericsson Börsen-Chart zeigen, der vergangene Woche verkündete, wegen der Investitionszurückhaltung der Telekomkonzerne knapp zwei Drittel weniger verdient zu haben.

Da sind zweitens die jüngsten Zahlen der Telekomkonzerne selbst. So strich der spanische 02-Mutterkonzern Telefonica Börsen-Chart zeigen nach einem deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang die Dividende für seine Aktionäre. Der französische Telekomkonzern France Télécom Börsen-Chart zeigen büßte zudem wegen des neuen Konkurrenten Iliad auf dem Heimatmarkt weiter Umsatz ein.

Und auch der größte Mobilfunkkonzern der Welt, Vodafone Börsen-Chart zeigen, hat wegen eines schwachen Geschäfts in Südeuropa im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende März) weniger umgesetzt als erwartet. Wobei sich in den Ergebnissen der Briten die konjunkturelle Lage Europas geradezu mustergültig widerspiegelt: Während die deutsche Tochter im Mobilfunk ohne Wechselkurseffekte um 4,2 Prozent zulegte, gaben Spanien und Italien im teilweise zweistelligen Prozentbereich nach.

Erst Preisverfall, dann Überfall

Auch beim niederländischen Wettbewerber KPN Börsen-Chart zeigen - in Deutschland unter der Marke E-Plus vertreten - lief das Geschäft im zweiten Jahresviertel schwächer als erhofft. Konjunktursorgen und Konkurrenzdruck im Heimatmarkt schrumpften den Gewinn unterm Strich auf 315 Millionen Euro zusammen - ein Viertel weniger als im Vorjahr.

Was wiederum zum dritten Indikator führt: Die Aktienkurse der Telekomkonzerne. Denn KPN sieht sich inzwischen nicht nur mit einem Preisverfall konfrontiert, sondern mit einem Überfall durch einen außereuropäischen Investor: den Mexikaner Carlos Slim.

Der von dem Multimilliardär kontrollierte größte Mobilfunkanbieter Lateinamerikas, América Móvil, hält seit Ende Juni knapp 28 Prozent der Anteile an KPN - was Slim und seinem Team auf den Hauptversammlungen der Niederländer das Durchregieren ermöglicht. Dass die KPN-Führung in dieser Woche angekündigt hat, statt 90 Cent je Anteilsschein, wie bisher geplant, nur noch 35 Cent auszuschütten, gilt als erster Schachzug der neuen Mehrheitseigner.

Schließlich sind die Mexikaner kaum daran interessiert, dass der Kurs der KPN-Aktie steigt, um weitere Anteilszukäufe nicht unnötig zu verteuern. Hält der Konzern doch bei seinen anderen Beteiligungen nie weniger als 88 Prozent. Abgesehen davon ist die Mission von Slim und Co. in Europa ohnehin langfristig angelegt. Denn auch bei der Telekom Austria hat sich América Móvil jüngst 26 Prozent der Anteile gesichert.

Dass die europäischen Telekomunternehmen derzeit im globalen Vergleich günstig zu haben sind, hat sich nicht nur bis nach Mexiko herumgesprochen.

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