Freitag, 26. August 2016

Thorsten Thiel Bertelsmann setzt Prinovis-Chef vor die Tür

Treibt den Umbau des Medienkonzerns voran: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe tauscht bei der Tochter Prinovis, einem der größten Druckkonzerne Europas, die Führungsspitze aus

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe räumt bei dem Medienkonzern weiter auf. Jüngster Leidtragender ist Thorsten Thiel, Chef des Druckimperiums Prinovis. Ein Nachfolger für den Spitzenjob der Bertelsmann-Tochter scheint bereits gefunden. Er soll den Schrumpfkurs fortsetzen.

Hamburg - Der seit Januar amtierende Bertelsmann-Chef Thomas Rabe (46) legt bei der Justierung des an Geist und Gliedern größtenteils erschlafften Medienriesens weiterhin viel Schwung und Tatkraft an den Tag. In seinem Bemühen, das Wachstum zu beschleunigen, die Gewinne zu erhöhen, das Geschäft zu internationalisieren und seine Leute zu äußerster Kampfbereitschaft zu drillen, hat er sich an diesem Wochenende des Tiefdruckkonzerns Prinovis angenommen, der sich zu 74,9 Prozent im Besitz von Bertelsmann befindet (den Rest beansprucht die Axel Springer AG), über Standorte in Dresden, Ahrensburg, Nürnberg, Itzehoe sowie Liverpool verfügt und mit einem Umsatz von rund 800 Millionen Euro das größte Unternehmen seiner Art in Europa ist.

Nach Informationen des "manager magazin" erhielt Prinovis-CEO Thorsten Thiel (45) am vergangenen Sonnabend seine Papiere und dazu die Mitteilung, dass man keine Verwendung mehr für ihn habe. Thiel hat die Geschäfte seit November 2008 geführt. Ersetzen soll ihn Bertram Stausberg, bislang für die Nordstandorte der Firma zuständig. Geplant ist darüber hinaus, dass Bertelsmann-Personalchef Immanuel Hermreck und Thomas Rabe persönlich ins Prinovis-Board einrücken, um dort sowohl den Druck auf die eigenen Leute als auch den auf die Konkurrenz zu erhöhen.

Mit dem Führungswechsel verbunden ist auch eine Neuausrichtung der Druckerei, die seit Jahren in Schwierigkeiten steckt und Gewinne ausweist, deren Höhe nur noch mit empfindlichen Messgeräten feststellbar ist. In der Branche herrschen Überkapazitäten und Preisverfall, das Elend ist groß, und es lässt nicht nach: Die Druckauflagen von Zeitungen und Zeitschriften sinken unaufhörlich, die Kataloge der Versandhäuser werden dünner und dünner, die natürliche Auslese hat sich deutlich beschleunigt. Im vergangenen Jahr segnete die Großdruckerei Schlott das Zeitliche, doch Prinovis konnte von der Abberufung des Rivalen kaum profitieren.

Anfang dieses Jahres ließ Konzernchef Rabe die Gruppierung aus dem Bertelsmannverbund herauslösen und, gemeinsam mit den internationalen Druckereien, in einem neuen Geschäftsbereich zusammenfassen. Der Umsatz der Einheit beträgt rund 1,2 Milliarden Euro. Ausgliederungen dieser Art sind normalerweise kein gutes Zeichen, und auch hier war es das nicht.

Prinovis vor Neuausrichtung - Zukunft einzelner Standorte ungewiss

Im Bertelsmann-Intranet hatte Rabe bereits vor Wochen eingeräumt, dass bei Prinovis über den "Fortbestand von Standorten" und auch "Teilverkäufe" nachgedacht würde. Nach heutigem Stand hat namentlich die Druckerei in Itzehoe nur noch eine kurze Lebenserwartung: "Itzehoe steht leider zur Disposition", sagt ein Springer-Manager. Bei Bertelsmann weist man darauf hin, dass noch "keine endgültige Entscheidung über Itzehoe gefallen" sei, aber dass Itzehoe im schlimmsten Fall auch nicht der einzige Standort bleiben müsse, dem drastische Einschnitte oder gar das Aus drohten. Denn die Geschäfte laufen verzweifelt schlecht.

Ob Stausberg die richtige Wahl ist, wird die Zukunft zeigen. Er ist ein ausgewiesener Druckereiexperte, als Konzeptionist oder Stratege aber noch nicht in vorteilhafte Erscheinung getreten. Wahrscheinlich sind diese Talente, über die Vorgänger Thiel in üppigem Maße verfügt haben soll, in dem Schrumpfgeschäft auch nicht mehr vonnöten.

Der Zeitpunkt für die Wachablösung mag etwas ungünstig gewählt worden sein: Wie man hört, stehen in der kommenden Woche wichtige Gespräche mit dem Großkunden Rupert Murdoch an, dessen Aufträge insgesamt rund 20 Prozent der Prinovis-Einnahmen ausmachen und ohne dessen Blätter (u.a. "Sunday Times") die Druckerei in Liverpool wahrscheinlich gleich ganz zumachen könnte. Die Sprache Shakespeares, sagt man, gehöre nicht zu Stausbergs Spezialdisziplinen.

Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich auszurechnen, dass das Druckereigewerbe nicht mehr zu den Zukunftsgeschäften von Bertelsmann gehört. Träte ein solventer Käufer auf den Plan, Rabe wäre der letzte, der ihn wieder fortschicken würde.

In seinem Gestaltungswillen ist der neue Bertelsmann-Premier unbeirrbar, was verständlicherweise eine gewisse Unruhe in den oberen Managementzirkeln ausgelöst hat. Man lässt neuerdings häufig antreten und viel exerzieren in Gütersloh, und Thomas Hesse, der seit Februar amtierende Vorstand für Unternehmensentwicklung, freut sich, dass er seinen Kollegen erläutern und veranschaulichen darf, wie sie sich bei der Entwicklung des Unternehmens künftig gefälligst klüger anstellen. Nicht überall stoßen die Hesse-Lektionen auf Vergnügen und Begeisterung.

Doch Konzernchef Rabe ist kein Mann, der für seine Unentschlossenheit bekannt wäre. Erst Anfang Mai hatte er angekündigt, die Bertelsmann AG in eine SE & Kommanditgesellschaft auf Aktien umzuwandeln, um ihr die Aufnahme von Investoren oder sogar einen Börsengang zu ermöglichen. Die Eigentümerfamilie Mohn betrachtet Rabes Elan mit gemischten Gefühlen. Noch freilich überwiegen Wonne und Zuversicht deutlich. Namentlich dem designierten Aufsichtsratschef Christoph Mohn (46) gefällt, dass Rabe keine Schluderei mehr duldet.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH