Montag, 23. Oktober 2017

Pay-TV Schlacht um die Bundesliga beginnt

Schaut die ARD bei der Bundesliga bald in die Röhre?

Der Start des Auktionsverfahren um die Übertragungsrechte der Bundesliga steht kurz bevor. Neben Sky hat auch die Telekom Interesse. Unternehmen wie Google oder Yahoo sollen ein Auge auf die Internetrechte geworfen haben. Das könnte das Ende der Sportschau bedeuten.

Hamburg - Die Spannung steigt: Bis Donnerstag müssen sich die Interessenten bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) registrieren, um bei dem Auktionsverfahren für die Übertragungsrechte der Bundesliga dabei zu sein. Dann wird die DFL auch den genauen Zeitplan für die Auktion bekannt geben. Es geht um die Lizenzen ab der Saison 2013/2014. Und es geht um viel Geld.

Für Karl-Heinz Rummenigge ist die Sache klar: In absehbarer Zeit müsse Deutschland beim TV-Geld mit Italien mithalten können, gab der Vorstandschef der FC Bayern München Mitte Januar im Interview mit dem Fußball-Magazin "11 Freunde" die Richtung vor.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg: Bislang erzielte die DFL rund 412 Millionen Euro pro Saison. Zusammen mit den Auslandslizenzen erhielten die 36 deutschen Profi-Vereine aus der ersten und zweiten Bundesliga rund 505 Millionen Euro. Viel zu wenig, wenn es nach Rummenigge geht. In Italien erhalten die Vereine rund 900 Millionen Euro, in Großbritannien sogar rund 1,2 Milliarden Euro pro Saison. Ein Grund dafür ist der relativ schwache Pay-TV-Markt in Deutschland: Bislang gibt es in Deutschland rund sechs Millionen Kunden, die sich auf Sky, Telekom und einige Kabelnetz- und Satellitenbetreiber verteilen.

Deutsche Clubs hinken hinterher.

"Pay-TV hat sich in Deutschland im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern nicht wirklich durchsetzen können. Das liegt vor allem an der hohen Qualität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", sagt Professor Horst Schellhaaß von der Universität Köln. Im Vergleich mit anderen Ländern sei die Versorgung mit Fußball im Free-TV sehr gut. "In Frankreich gibt es die Zusammenfassung der Spiele erst am nächsten Tag", sagt Schellhaaß.

Offenbar schrecken viele Zuschauer vor den Kosten zurück: "Die deutschen Zuschauer sind relativ preissensibel. Diese Mentalität bremst den deutschen Pay-TV-Markt aus", sagt Frank Daumann, wissenschaftlicher Leiter des MBA-Studiengangs Sportmanagement der Universität Jena. Die Folge: Die deutschen Clubs können bei den Einnahmen mit Vertretern anderer europäischer Spitzen-Ligen nicht mithalten

Das schlägt sich in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit nieder. Während die deutsche Fußball-Nationalmannschaft seit einigen Jahren wieder für Furore sorgt, hinken die deutschen Clubs international hinterher. Der letzte größere internationale Erfolg auf Vereinsebene datiert von 2001, als der FC Bayern München die Champions League gewann. Der letzte Erfolg im Uefa-Cup und der heutigen Euro-League ist sogar noch länger her: In der Saison 1996/1997 gewann der FC Schalke 04 den Europa-Pokal. Internationale Erfolge deutscher Clubs seitdem: Fehlanzeige. Zwar spielen auch andere Faktoren eine Rolle für das schlechte Abschneiden der deutschen Vereine. So sind die finanziellen Anforderungen an die Vereine in der Bundesliga sehr viel strenger als in anderen Ligen, was eine exorbitante Verschuldung von Clubs wie zum Beispiel in Großbritannien verhindert.

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