Freitag, 2. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Mobiles Bezahlen Ebay will den klassischen Einzelhandel aufrollen

Ebay-Zentrale im kalifornischen San José: Der E-Commerce-Konzern greift nach dem stationären Einzelhandel

Ebay-Chef John Donahoe verfolgt eine klare Strategie. In ihrem Zentrum ruht die Bezahldiensttochter Paypal, wie die neuen Geschäftszahlen belegen. Mit ihr will Ebay ab diesem Jahr den stationären Einzelhandel aufrollen. Die Gegenwehr hält sich in Grenzen - dabei gibt es Grund zur Sorge.

Hamburg - Es ist keine zwei Wochen her, dass Scott Thompson seine Stelle als Chef des Internetkonzerns Yahoo angetreten hat. Yahoo, seit Jahren in der Krise, lockte den einstigen Ebay-Manager mit der Aussicht auf 27 Millionen Dollar - eine Summe aus Gehalt, Bonus, Aktienoptionen und einem Ausgleich für entgangene Zahlungen seines alten Arbeitgebers.

27 Millionen mögen viel Geld für den Chef eines Tochterunternehmens eines Internetkonzerns sein. Doch Paypal, dessen Chef der 54-jährige Thompson bis Ende 2011 war, ist eben kein Tochterunternehmen wie jedes andere. 2011 lag der Umsatz Paypals bei 4,4 Milliarden Dollar. Das Kerngeschäft Ebays mit Internetauktionen und Festpreiskäufen brachte es auf 6,6 Milliarden Dollar, wie der Konzern heute mitteilte. 2013, so die Prognose, dürfte Paypal mit dem Kerngeschäft gleichgezogen sein.

Und doch ist den Analysten auch ohne Thompson nicht bang um die Zukunft des Onlinekonzerns. Zwar war es Thompson, der kurz vor seinem Abgang noch einmal medienwirksam verkünden durfte, dass 2012 das Jahr sein werde, in dem Ebay Börsen-Chart zeigen Einzug in die konventionellen Geschäfte halten wolle. Doch die Strategie dahinter stammt im Wesentlichen von John Donahoe.

Der 52-Jährige, einst Vorstandvorsitzender beim Beratungsunternehmen Bain & Company und seit 2005 für Ebay tätig, übernham Ende März 2008 das Ruder von Meg Whitman. Und war er schon zu Zeiten der heutigen HP-Chefin stets um den Ausbau des Kerngeschäfts bemüht, legte er nach ihrem Abgang erst so richtig los.

2008 war das Jahr der Wende

Sein Masterplan mündete 2009 in die Ankündigung, das einst als Online-Auktionshaus gestartete Unternehmen innerhalb von drei Jahren neu auszurichten. Waren Wachstum und Profitabilität seit dem Börsengang im Jahr 1998 immer mehr auf der Strecke geblieben, hat sich der Wert der Ebay-Aktien seit dem Frühjahr 2009 verdreifacht.

Kurzum, was Donahoe tat, kam an der Börse an. Er erhöhte die Gebühren, verpasste der Website eine nachfragefreundlichere Navigation und ein anbieterfreundlicheres Beschwerdesystem. Und er forcierte Festpreisangebote statt Auktionen. Heute werden nicht einmal mehr ein Drittel der Waren bei Ebay versteigert. Gleichzeitig locken die Festpreise inzwischen auch Markenartikler in die virtuellen Verkaufsregale des Online-Portals.

Ex-Paypal-Chef Scott Thompson, kümmerte sich parallel darum, die in der Ebay-Welt verwurzelte Bezahltochter in die gesamte Online-Welt zu verpflanzen - zuhause und unterwegs. Mittel zum Zweck war ein halbes Dutzend Unternehmenskäufe seit 2008. Diese tragen inzwischen dazu bei, dass Paypal seine rund 100 Millionen aktiven Nutzer an immer mehr Orte begleitet - und ihnen per Smartphone via Internet zur Seite steht.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH