Dienstag, 17. Oktober 2017

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Mobiles Bezahlen Ebay will den klassischen Einzelhandel aufrollen

Ebay-Zentrale im kalifornischen San José: Der E-Commerce-Konzern greift nach dem stationären Einzelhandel

3. Teil: Google prescht vor, Ebay klagt an

"Ursprünglich geht die Paypal-Übernahme auf eine Defensivstrategie Ebays zurück", sagt Key Pousttchi, Leiter der Forschungsgruppe "wi-mobile" an der Universität Augsburg. "Durch das Online-Bezahlproblem ist dem Unternehmen zuviel Geschäft entgangen." Bis das Geld zum Beispiel per Kreditkartenzahlung oder Scheck beim Verkäufer war, habe es vorher zu lange gedauert. Der Kauf von Paypal habe dieses Problem gelöst.

Dass Paypal auf dem anonymen Ebay-Marktplatz etwa durch eine für mehrere Tage zugesicherte Rückabwicklung bei Warenmängeln auch Vertrauen stiftete, sei bereits ein erster weitergehender Aspekt gewesen. "Aus der Defensivstrategie wurde so eine Mehrwertstrategie", sagt Pousttchi.

Inzwischen verfolge Ebay mit Paypal hingegen eine klare Offensivstrategie. Denn bislang sei es nur der klassische E-Commerce gewesen, den das Unternehmen dominieren wolle. "Jetzt will Paypal den Einzelhändlern das mobile Bezahlen beibringen."

Wie lukrativ dieses Geschäft sein könnte, haben Pousttchi und seine Kollegen an der Uni Augsburg selbst in einer Studie ermittelt: "87 Prozent des Umsatzpotenzials im Mobile-Payment macht der stationäre Einzelhandel aus", sagt der Forscher.

Rund 100 Millionen Kunden in 190 Ländern

Und dass Paypal sich gegen die Wettbewerber mehr als nur behauptet, ist realistisch. Denn dank seiner Dominanz im E-Commerce hat sich der Zahlungsdienstleister längst als weltweit dominanter Makler zwischen Einkäufern und Verkäufern etabliert. Paypal verwaltet rund 100 Millionen aktive Kundenkonten. Banken und Online-Händler in 190 Ländern akzeptieren das Online-Zahlungssystem.

Dass Paypal bald auch zu einer Macht in den Fußgängerzonen dieser Länder werden könnte, dafür gibt es zumindest Potenzial. Nach Schätzungen der Analysten des Marktforschers Gartner setzten im vergangenen Jahr weltweit 141 Millionen Menschen rund 67 Milliarden Euro mit dem Mobile Payment um. Und die Marktforscher von Juniper Research rechnen bis 2015 mit einem Marktvolumen von 525 Milliarden Euro. In den USA werden bis dahin rund 57 Prozent der Handynutzer ein Smartphone besitzen, dass jene Funktionen erfüllt, die Ebay zur Umsetzung seiner Strategie braucht, prognostizieren die Analysten von Forrester Research.

Das indes ruft auch andere Wettbewerber auf den Plan. So war es nicht Ebay, das als erstes Unternehmen im wichtigen US-Markt ein Handybezahlsystem vorstellte, sondern Google Börsen-Chart zeigen. Der Suchmaschinenkonzern präsentierte im Mai 2011 seinen Bezahldienst "Google Wallet".

Für Ebay Börsen-Chart zeigen und die Bezahldiensttochter Paypal war dies nicht nur ein Schock, sondern auch Grund zu Klage. Denn es waren ausgerechnet zwei ehemalige Ebay-Mitarbeiter, die maßgeblich an der zunächst für Android-Smartphones entwickelten Google-Geldbörse mitgewirkt hatten. PayPal wirft Osama Bedier, der die Technologie an Handelsunternehmen vermarktet, Geheimnisverrat vor. Und die zuständige Google-Managerin Stephanie Tilenius soll dabei geholfen haben, Bedier abzuwerben, obwohl ihr das vertraglich untersagt gewesen sei.

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