Montag, 23. April 2018

Geldzahlung Telekom hakt Schmiergeldaffäre ab

Telekom: Das Unternehmen hat sich per Überweisung vom Schatten der Schmiergeld-Affäre befreit

Gut 95 Millionen Dollar zahlt die Deutsche Telekom an zwei US-Behörden, die in der Schmiergeldaffäre ermittelt hatten. Damit ist der Fall für das Unternehmen erledigt.

Bonn - Nach einem halben Jahrzehnt kann Telekom-Chef René Obermann die Schmiergeld-Affäre auf dem Balkan endlich abhaken. Dafür überweist der Bonner Konzern rund 95 Millionen Dollar an zwei US-Ermittlungsbehörden, die den Fall aufgerollt hatten. Das Unternehmen schloss mit der US-Börsenaufsicht SEC und dem amerikanischen Justizministerium einen Vergleich, wie die Behörden und die Telekom mitteilten. Die Einigung beende die Ermittlungen gegen die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen ohne eine strafrechtliche Anklage.

Die US-Ermittler hatten der ungarischen Telekom-Tochter Magyar vorgeworfen, sich 2005 und 2006 durch Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe in Montenegro und Mazedonien Vorteile verschafft zu haben. Damit hätten die Ungarn gegen ein US-Anti-Korruptionsgesetz verstoßen. Die SEC reichte in dem Zusammenhang gegen drei Magyar-Manager Klage ein. Dem deutschen Mutterkonzern hatten die Behörden vorgeworfen, Buchführungs- und Berichtspflichten nach dem US-Gesetz nicht eingehalten zu haben.

Die Telekom war lange Zeit an der New Yorker Börse notiert, weshalb die dortigen Behörden die Ermittlungen aufnahmen. Auslandsbestechung wird in Amerika streng geahndet. Das mussten beispielsweise auch Siemens Börsen-Chart zeigen oder Daimler Börsen-Chart zeigen erfahren, die wegen weitreichender Korruptionsskandale großen Ärger mit der US-Justiz hatten. Die Telekom und Magyar versprachen nun, die Einhaltung der unternehmensinternen Richtlinien künftig besser zu überwachen und legten Verstöße gegen das Anti-Korruptionsgesetz freiwillig offen.

Die Affäre hatte im Herbst 2010 auch Obermann selbst eingeholt. Die Bonner Staatsanwaltschaft nahm den Manager wegen angeblicher Bestechung auf dem Balkan ins Visier, stellte die Ermittlungen aber vier Monate später wieder ein, da sich der Anfangsverdacht nicht bestätigte. Das Balkan-Geschäft macht Obermann aber nicht erst seit der Affäre Sorgen. Weit verbreitete Korruption, eine schwere Wirtschaftskrise und insbesondere der tiefe Fall Griechenlands kosten die Telekom-Führung viel Nerven.

Dabei war die Ausgangslage für die bereits in den 90er Jahren gestartete Auslandsexpansion eigentlich vielversprechend. Jahrzehnte kommunistischer Misswirtschaft hatten die Infrastruktur ruiniert, auf einen Telefonanschluss mussten die Bürger teilweise jahrelang warten. Die Wachstumschancen zwischen Adria und Schwarzem Meer wurden dementsprechend hoch eingeschätzt. Die Bonner waren mit die Ersten, die ihre Claims in den Ländern des ehemaligen Ostblocks absteckten. Los ging es 1993 mit dem Einstieg bei der heutigen Magyar Telekom. Später kaufte sich der deutsche Telefon-Konzern noch direkt oder über seinen ungarischen Ableger in anderen Ländern der Region ein. 2008 kam dann der ehemalige griechischen Staatsmonopolist OTE hinzu.

rtr/got

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