Montag, 18. Juni 2018

Internettelefonie Was Microsoft mit Skype vorhat

Skype: Microsoft zahlt eine satte Prämie, um den Anschluss nicht zu verlieren

Microsoft zahlt rund drei Milliarden Dollar mehr für Skype als der Internettelefonieanbieter für seinen Börsengang eingeplant hatte. Vieles spricht jedoch dafür, dass sich der Deal für Microsoft trotzdem rechnen wird.

Hamburg - Am Ende ging es sehr schnell. Nachdem erst letzte Woche bekannt wurde, das Facebook und Google Börsen-Chart zeigen an einer Übernahme von Skype interessiert sind, hat Microsoft Börsen-Chart zeigen an diesem Dienstag offiziell den Kauf des Internettelefonieanbieters verkündet. Microsoft greift dabei tief in die Tasche. 8,5 Milliarden Dollar (5,9 Milliarden Euro) ist dem Konzern die Neuerwerbung wert. Für die Redmonder ist dies allerdings bei einer geschätzten Kriegskasse von bis zu 50 Milliarden Dollar (35 Milliarden Euro) gut verkraftbar.

Dass sich der Kauf rechnen wird, dafür spricht vieles. Denn das Geschäft mit der Internettelefonie boomt. In diesem Jahr werden in Deutschland 11,2 Millionen Nutzer regelmäßig über das Web telefonieren. Das entspricht einem Anstieg um 13,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Branchenverband Bitkom unter Berufung auf aktuelle Daten des European Information Technology Observatory (EITO) berichtet.

Gleiches gilt für die Videotelefonie. Bereits sieben Millionen Deutsche greifen laut Bitkom auf entsprechende Angebote im Internet zurück. Mit dem Boom bei Smartphones und Tablet-PCs bei gleichzeitiger Verfügbarkeit von Breitband dürfte die Nachfrage weiter zunehmen. "Videotelefonie auf mobilen Endgeräten wird ein Megatrend", sagte Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Viele Anbieter bringen bereits entsprechende Smartphone-Anwendungen auf den Markt - darunter auch Skype. Auch manche internetfähigen Fernseher oder Spielekonsolen wie Microsofts X-Box ermöglichen inzwischen Videotelefonie.

Skype gilt mit gut 600 Millionen Kunden und 145 Millionen regelmäßigen Nutzern als Marktführer in diesem Geschäft, bei dem lediglich die üblichen Kosten für die Internetverbindung anfallen.

Letzteres war bislang allerdings auch das Problem des Unternehmens. Denn die bisherige Erlösquelle des Konzerns, günstige Anrufe zum herkömmlichen Telefonnetz, brachte den bisherigen Investoren stets zu wenig ein. 8,8 Millionen Nutzer zahlten Ende 2010 für kostenpflichtige Skype-Angebote. Der durchschnittliche Jahresumsatz für jeden dieser zahlenden Kunden lag 2010 bei 97 Dollar (67 Euro). Während über Skype inzwischen knapp ein Viertel er weltweiten internationalen Ferngespräche abwickelt, kommt das Unternehmen im Geschäft mit Smartphonenutzern und im Firmenkundengeschäft bislang nicht recht voran.

145 Millionen aktive Nutzer - und viel Gegenwind in der Branche

So wechselte das 2003 vom Schweden Niklas Zennström und vom Dänen Janus Friis gegründete Unternehmen schon vor dem Microsoft-Deal zweimal den Eigentümer. 2005 bezahlte Ebay Börsen-Chart zeigen den Gründern 2,6 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro).

Seit Jahren tut sich Skype aus verschiedenen Gründen schwer damit, über das Internet hinaus Fuß zu fassen. So schlossen sich 2006 beispielsweise 15 große Mobilfunkanbieter aus Europa und Asien zusammen, um gemeinsam gegen Skype und andere Instant-Messaging-Services in Mobilfunknetzen vorzugehen und eigene Instant-Messaging-Service zu etablieren. Auch in den den USA begannen US-Mobilfunknetzbetreiber damit, die Nutzung von Skype auf dem Handy zu blockieren.

2009 erwarb schließlich eine Investorengruppe um den Internetpionier und Netscape-Gründer Marc Andreessen für 1,9 Milliarden Dollar 65 Prozent der Skype-Anteile. Das Unternehmen dann im August vergangenen Jahres einen Börsengang an, nannte aber nie einen genauen Zeitpunkt. Als möglicher Erlös wurden rund 5,5 Milliarden Dollar (3,8 Milliarden Euro) genannt.

Für Microsoft Börsen-Chart zeigen ist der demgegenüber gezahlte Aufpreis durchaus zu rechtfertigen. Denn der Konzern bekommt für sein Geld nicht nur eine etablierte Marke und eine Technologieplattform für Text-, Sprach- und Videodienste, sondern auch eine 145 Millionen aktive Nutzer zählende Community.

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