Dienstag, 24. April 2018

Schwaches Quartal Google verliert an Glanz

Internetkonzern Google: Trotz prall gefüllter Kassen in Höhe von rund 37 Milliarden Dollar hatten die Analysten auf einen höheren Gewinn gehofft

Keine zwei Wochen sitzt Google-Gründer Larry Page auf dem Chefposten des Internetkonzerns und muss nun eine Bilanz vorzeigen, die die hohen Erwartungen nicht mehr ganz erfüllen kann. Die Ausgaben wachsen schneller als der Umsatz, die Aktie ging nachbörslich auf Talfahrt.

Mountain View - Im ersten Quartal 2011 sei der Gewinn unter dem Strich auf 2,3 Milliarden Dollar gestiegen, teilte Google-Gründer Larry Page mit. Das sind zwar 18 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, doch die Analysten hatten auf bessere Zahlen gehofft. Nachbörslich fiel die Aktie um mehr als 5 Prozent auf 547,87 Dollar.

Die Ausgaben des weltgrößten Suchmaschinenbetreibers schossen in den ersten drei Monaten um 54 Prozent in die Höhe und erreichten 2,84 Milliarden Dollar. Dagegen wirkte der Umsatzsprung um 29 Prozent auf 8,6 Milliarden Dollar geradezu klein.

Das Geschäft zu Jahresbeginn hatte freilich noch Vorgänger Eric Schmidt zu verantworten, der nun als Verwaltungsratschef die Rolle des Firmenbotschafters übernommen hat. Der 38-Jährige Page steht seit Anfang April in der Pflicht. Jede seiner Handlungen wird genau beobachtet. Die Frage lautet: Wohin steuert Page den Internetgiganten?

Analyst: "Überrascht, wie bereitwillig der Konzern Geld ausgibt"

In der Telefonkonferenz mit Analysten blieb er die Antwort schuldig. Page äußerte sich nur kurz zum Geschäftsergebnis und ging Nachfragen nach seiner Wachstumsstrategie aus dem Weg. Analysten reagierten indigniert: "Ich hoffe sehr, dass er mit der Zeit seine Strategie etwas klarer vorstellt", sagte Jim Tierney, Chef-Investmentstratege beim Vermögensverwalter WP Stewart, der Anteile an Google Börsen-Chart zeigen hält. "Die Ausgaben wachsen schneller als der Umsatz und einige Leute sind doch sehr überrascht, wie bereitwillig der Konzern Geld ausgibt", sagte Colin Gillis von BGC Partners.

Bislang ist es das Suchmaschinengeschäft, das Google reich macht. Firmen zahlen für Werbung, die sie bei den Suchergebnissen platzieren. Doch Google drängt in immer mehr Felder. So ist sein Handy-Betriebssystem Android mittlerweile der schärfste Gegner für Apples iPhone und mit seinem Computer-Betriebssystem namens Chrome OS will Google den Softwareprimus Microsoft Börsen-Chart zeigen mit seinem Windows das Fürchten lehren. Auch die Videoplattform YouTube gehört zum Imperium.

Und Google dehnt sich weiter aus: Erst vor wenigen Tagen bekam das Unternehmen grünes Licht von den US-Wettbewerbshütern für die Übernahme des Flugsuche-Spezialisten ITA. Zwar musste der Konzern dafür einige Zugeständnisse machen, aber dafür steckt Google künftig hinter einem guten Teil der weltweiten Flugticket-Buchungen.

In drei Monaten rund 1900 Neueinstellungen

Auch intern wächst das Unternehmen: In den ersten drei Monaten des Jahres stellte Google mehr als 1900 neue Leute ein, womit 26.300 Menschen für den Konzern arbeiteten. Zugleich zahlt das Unternehmen seit Jahresbeginn 10 Prozent mehr Gehalt. Im Laufe des Jahres will der Konzern seine Belegschaft um insgesamt 6000 Angestellte aufstocken. Dieses enorme Tempo kann sich Google dank seiner prall gefüllten Kasse leisten. Der unglaubliche Kontostand zum 31. März: 36,7 Milliarden Dollar.

Vor Page liegt nun die Aufgabe, das Vermögen weiter zu mehren. Nach US-Medienberichten hat der Gründer in seinen ersten Tagen als Chef schon Teile des Topmanagements umgekrempelt. Die einzelnen Bereiche sollen mehr Gestaltungsspielraum bekommen. Das passt zum erklärten Ziel von Page, dass Google wieder wendiger werden solle.

Lary Page hatte Google 1998 zusammen mit seinem Kompagnon Sergey Brin gegründet, der sich heute um neue Produkte kümmert. 2001 übergaben die beiden ihr "Baby" an Schmidt. Unter dem erfahrenen Manager hat sich Google von einem aufstrebenden Internetsuch-Unternehmen zum heute breit aufgestellten Technologiekonzern gemausert.

mg/dpa-afx/rtr

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