Montag, 23. Oktober 2017

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SAP-Research-Chef "In 20 Jahren sind Computer nur noch Elektroschrott"

Der Computer wird schon bald aussterben, prophezeit SAP-Forschungsleiter Lutz Heuser. Was danach kommt, wie der Rentneralltag 2032 aussieht und wie sein Arbeitgeber in einer Welt ohne Computer zurechtkommen will, sagt der Manager im Interview mit manager magazin.

mm: Herr Heuser, in Ihrem Buch "Heinz' Life", das Sie gerade auf der Cebit vorgestellt haben, erzählen Sie die "kleine Geschichte vom Kommen und Gehen des Computers". Wird der Computer in absehbarer Zeit verschwinden?

  Lutz Heuser  ist Leiter der Forschungsabteilung beim Softwarekonzern SAP
Stephan Daub
Lutz Heuser ist Leiter der Forschungsabteilung beim Softwarekonzern SAP
Heuser: So ist es. Allerdings wird er sich nicht ganz und gar auflösen, sondern in Mini-Format überall in unserer Umgebung zu finden sein: In Tapeten, in Wänden, in Möbeln. Den Computer wird es in Zukunft nicht mehr als das Gerät geben, das wir heute kennen. In 20 Jahren wird er nur noch Elektroschrott sein.

mm: Was wird nach dem Computer kommen?

Heuser: Ab 2030 werden Roboter die Funktion von Computern übernehmen.

mm: Ist das Fiktion oder sind Sie wirklich der Überzeugung, dass der seit Jahrzehnten angekündigte Roboter alltagstauglich wird?

Heuser: Ich habe das Buch ja nicht allein geschrieben, sondern wir sind insgesamt 40 Co-Autoren. Darunter sind Vordenker und Experten der deutschen und weltweiten IT-Szene wie Vinton Cerf, Google-Manager und einer der Väter des Internet oder der renommierte IT-Professor Friedemann Mattern. Wir haben uns Gedanken darüber gemacht, wie die IT-Welt in einem bestimmten Jahr der Vergangenheit oder der Zukunft aussah oder aussehen wird. Jeder einzelne von uns steht natürlich hinter seinem Beitrag. Ich hatte beispielsweise die Aufgabe, 2032 zu beschreiben, das letzte Jahr des Buches.

Elektroschrott: "Den Computer wird es in Zukunft nicht mehr als das Gerät geben, das wir heute kennen"
mm: Und? Wie wird 2032 aussehen?

Heuser: Protagonist Heinz, dessen Leben im Buch in Tagebuchform erzählt wird, ist 70 Jahre alt und hat einen Serviceroboter namens James. Sie leben zusammen im Heim für betreutes Wohnen. Dann gibt es noch Mandy, einen Avatar, der Heinz sein ganzes Leben auf verschiedenen Geräten begleitet hat. Sie überwacht seinen Gesundheitszustand und sagt ihm, wann er zum Arzt gehen muss.

mm: Hat Heinz auch noch echte, menschliche Freunde?

Heuser: Natürlich, das finde ich wichtig. Er hat auch zu seiner Familie engen Kontakt.

mm: Werden Sie und ihre Co-Autoren in Zukunft überprüfen, ob Ihre IT-Prognosen tatsächlich zutreffen?

Heuser: Ja, ich plane, mich ab jetzt einmal jährlich mit dem Autoren des jeweiligen Jahres zu treffen. Dann können wir prüfen, was eingetroffen ist oder was auch nicht und warum das so ist.

mm: Worüber werden Sie dann im nächsten Jahr sprechen?

Heuser: Das 2011er Kapitel hat Latif Ladid geschrieben, der Präsident des IPv6-Forums. Er setzt sich seit Jahren dafür ein, dass ein neues Internet Protocol eingeführt wird, weil uns die bisherigen IPv4-Webadressen ausgehen. Er schreibt, dass genau das passieren wird: Wegen des drohenden Internetkollapses wird die UNO im nächsten Jahr das Grundrecht eines jeden Menschen auf eine eigene Internetidentität und -adresse ausrufen und das Internet Protocol IPv6 mit Jahresbeginn 2012 zur Basis des Internetverkehrs machen. Darüber werde ich auf der nächsten Cebit hoffentlich mit ihm diskutieren.

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