Mittwoch, 24. August 2016

Medienkrise Springer-Chef Döpfner rechnet mit Verlegern ab

Springer-Chef Mathias Döpfner übt harsche Kritik an der eigenen Branche. In einem Interview mit dem manager magazin wirft er den Verlegern vor, einerseits am Journalismus zu sparen und andererseits wertvolle Inhalte im Internet zu verschenken.

Hamburg - Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat sich Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG Börsen-Chart zeigen, in einem Interview mit manager magazin in die Diskussion um journalistische Bezahlinhalte im Internet eingemischt (Erscheinungstermin: Freitag, 18. Dezember).

Klare Worte: Springer-Chef Mathias Döpfner wirft seiner Branche vor, an den falschen Stellen zu sparen
In der Verlagsbranche, die aufgrund der konjunkturellen Lage und struktureller Veränderungen unter starkem wirtschaftlichen Druck steht, werde "vielerorts an der falschen Stelle gespart: am Inhalt". Wer der Krise "mit ein bisschen weniger oder schlechterem Journalismus" zu begegnen versuche, sei aber "auf dem Holzweg", erklärt der 46-jährige Verlagschef.

Döpfner warnt vor den "fatalen Folgen" einer solchen Strategie: "Wer an Eigenrecherche und Autorenintelligenz spart", säge an dem Ast, auf dem er sitze. Es sei keine Antwort auf die Herausforderungen, "wenn man Selbstmord begeht aus Angst vor dem Tod". Seinen Verlegerkollegen stellt Döpfner ein bescheidenes Zeugnis aus: "Manche haben zu wenig Sinn für Journalisten und für die Skurrilitäten dieses Metiers, das sie nicht lieben, sondern das ihnen insgeheim fremd bleibt."

Mit seiner Analyse verbindet der Springer-Chef auch eine grundsätzliche Kritik am Journalismus und Journalisten selbst, dem es nicht selten an Leidenschaft und Berufsstolz mangele: "Ich glaube, dass der Journalismus nicht mehr so gründlich, so gut und so selbstbewusst ist, wie er sein müsste, um die Menschen zu begeistern." Im Gegenteil, gerade Zeitungsjournalisten tendierten bei der Berichterstattung über die eigene Branche "zu einer masochistischen Lust am Untergang".

In scharfer Form wendet sich Döpfner gegen die Forderungen, nur Gratisinhalte im Internet anzubieten: Dies seien "abstruse Fantasien von spätideologisch verirrten Web-Kommunisten". Dass journalistische Angebote online fast ausschließlich kostenlos verbreitet werden, hält Döpfner für verfehlt: "Diesen Unsinn haben leider mehr als ein Jahrzehnt alle Verlage der Welt betrieben. Wir waren nicht groß genug, um diesen Wahnsinn allein zu stoppen."

Wie viele seiner Branchenkollegen verlangt auch Döpfner, an den Einnahmen beteiligt zu werden, die die Suchmaschine Google Börsen-Chart zeigen mit der Vermarktung journalistischer Leistungen erzielt. Google habe eine Marktmacht erreicht, "gegen die sich Rockefeller wie ein harmloser Kioskbesitzer" ausnehmen würde, so Döpfner: Aber "es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten."

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