Donnerstag, 28. Juli 2016

Verbot der Glühlampe Das Rätsel Energiesparlampe

Die Zeit für die gute alte Glühlampe läuft ab: Die EU nimmt im ersten Schritt die 100-Watt-Birne vom Markt. Bei den Verbrauchern herrschen Misstrauen und Verwirrung: Droht nun das neon-weiße Einheitslicht durch Energiesparlampen? Und machen diese krank? manager-magazin.de räumt mit einigen Missverständnissen und Vorurteilen auf.

Hamburg - Das Urteil der Verbraucher über die Leuchten der Zukunft ist eindeutig. Die unförmig gebogene Leuchtstoffröhre mit bläulich kaltem Licht schadet der Gesundheit, muss per Sondermüll entsorgt werden und kostet außerdem noch deutlich mehr als die gute alte Glühlampe. Hinzu kommt noch die Bevormundung des Staates, das verärgert jeden Verbraucher.

Also reagiert der Kunde mit Hamsterkäufen auf das EU-Glühlampenverbot, durch das der Treibhausgasausstoß pro Jahr um 15 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) verringert werden soll. Ab 1. September dürfen innerhalb der EU keine 100-Watt-Glühlampen mehr vertrieben werden, der Handel darf ab heute nur noch die Restbestände aus dem Lager anbieten.

In Deutschland wurden im ersten Halbjahr 2009 34 Prozent mehr Glühbirnen verkauft, als im Vorjahreszeitraum. In fast allen europäischen Ländern geht der Umsatz der Glühlampe stark zurück. Woran liegt es, dass vor allem die Deutschen sich nicht fügen?

Übersicht: Ab wann liefern Hersteller keine Glühlampen mehr?
Initiative "SAUBERES LICHT, SAUBER RECYCELT"
Übersicht: Ab wann liefern Hersteller keine Glühlampen mehr?
In kaum einem Land ist das Ende der Glühbirnen zuletzt so kontrovers diskutiert worden wie in Deutschland. Dabei lässt sich mit den neuen Lampen einiges sparen. Nach Angaben der EU-Kommission sinkt der Energieverbrauch eines einzelnen Haushalts um 10 bis 15 Prozent. Eine weitere Erleichterung für den Verbraucher: Trotz eines höheren Anschaffungspreises für die Energiesparlampen wird er jährlich rund 50 Euro einsparen. Die Energiesparlampe weist mit 10.000 bis 15.000 Stunden sieben bis zehn Mal mehr Lebenszeit auf als Glühbirnen. Außerdem entspräche die Lichtstärke einer 20 Watt Energiesparlampe ungefähr einer 100 Watt Glühlampe.

Trotzdem haben vor allem die negativen Bewertungen der Zeitschrift "Ökotest" hitzige Debatten ausgelöst, sagt Peter Kafke, Energietechnischer Referent und Physiker der Verbraucherzentrale. Längst nicht alle Ängste, die dabei geweckt wurden, seien berechtigt.

Vor allem stellten sich viele Verbraucher die Frage, ob die Energiesparlampen ihre Gesundheit gefährden. Der Mediziner Alexander Wunsch sprach in der "Osnabrücker Zeitung" von einem erhöhten Risiko für Brust- und Prostatakrebs aufgrund der Strahlung der speziellen Sparlampen. Doch die EU widerspricht: Es seien keine wissenschaftlich bewiesenen Studien über Risiken für den Hormonhaushalt oder Krebs bekannt.

Ausgerechnet die Augen könnten leiden, wenn die neuen Lampen Licht in die Dunkelheit bringen, fürchten manche Bürger. Der Augenarzt und Physiker Bernhard Lachenmayr, dessen Forschungsgebiet die Lichtwirkung auf Zellebene ist, warnte, dass Personen mit fehlender Linse oder noch sehr alten Kunstlinsen, die keinen UV-Schutz besitzen, gefährdet sein könnten. Nicht auszuschließen sei auch, dass vermehrte Fälle von altersbedingter Makuladegeneration auftreten. Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens im Auge.

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