Dienstag, 27. Juni 2017

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Solare Kühlung Wenn die Sonne kalt macht

Klimaanlagen sind an heißen Sommertagen ein Segen - wenn sie nicht teuer und umweltschädlich wären. Nun drängt die Solarindustrie in den Markt und will ganze Gebäude mithilfe von Sonnenkraft kühlen. Das ist zwar ökologisch wertvoll, doch bis die Anlagen wirtschaftlich arbeiten, kann es noch Jahre dauern.

Hamburg - Nie kann es das Sommerwetter uns recht machen. Bei gemäßigten Temperaturen schimpft ein jeder auf die herbstlichen Zustände, zu viel Sonne verursacht Müdigkeit und sinkende Leistungsfähigkeit. Wohl denen, die in diesem Fall das Knöpfchen der Klimaanlage drücken und den Raum runterkühlen können. Doch die Wunschtemperatur hat ihren Preis. Die Geräte fressen teuren Strom und erhöhen den Ausstoß umweltschädlicher Gase, obendrein machen gerade ältere Geräte Lärm.

Heiß-kalte Power: Die Sonne kann mehr als wärmen
Eine Alternative zu den klassischen Klimaanlagen sind solare Kühlungsmethoden. Dabei wird eben jene Energiequelle genutzt, die das Problem verursacht: Die Sonne scheint dann, wenn wir uns nach Kälte sehnen. Durch ausgeklügelte Technik wird die Hitze in Kälte verwandelt. Dadurch bedarf es keiner großen Speicherkapazitäten.

Grundsätzlich gibt es zwei Arten, um der Sonne Kälte zu entlocken: Auf der einen Seite können klassische Klimaanlagen mit Strom aus der Solarzelle versorgt werden. Zum anderen ist Sonnenwärme aber auch direkt nutzbar, etwa in Form sogenannter Adsorptionskältemaschinen. Dabei wird Wasser mithilfe der Sonne aufgewärmt. Mit dieser Hitze wird ein poröser Festkörper erwärmt, der dadurch Wasserdampf abgibt. Dieser verflüssigt sich durch die Abkühlung und verdampft dann wiederum - eine Art Pumpe, die ohne mechanische Energie betrieben wird. Der Kühlungseffekt entsteht, indem der Umwelt beim Verdampfen Wärme entzogen wird.

"Wir verwenden Silikagel als Festkörper, der den Wasserdampf ansaugt. Das muss man sich wie extrem poröses Glas vorstellen, das viel Dampf aufnimmt und speichert", sagt Walter Mittelbach, Chef der Firma Sortech. Das 23-Mann-Unternehmen mit Sitz im sachsen-anhaltinischen Halle an der Saale stellt Adsorptionskältemaschinen im kleinen bis mittleren Leistungsbereich her.

Das ist ein Novum in der Branche. "Kältemaschinen gibt es schon seit etlichen Jahren, bis vor Kurzem waren sie aber nur für den großen Kältebedarf in der Industrie geeignet. Das wollten wir ändern", sagt der ehemalige Fraunhofer-Forscher Mittelbach, der Sortech 2002 als Ausgründung des Forschungsinstituts ins Leben rief. Es folgten sechs Jahre, in denen sich das Unternehmen ausschließlich mit der Entwicklung des kleinen Kälteerzeugers befasste. "Das war natürlich nur mithilfe von Fördergeldern möglich", betont Mittelbach.

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