Montag, 11. Dezember 2017

Montgomery DuMont kauft deutsche Mecom-Blätter

David Montgomery und das Verlagshaus M. DuMont Schauberg sind sich handelseinig. Die Kölner übernehmen das deutsche Verlagsgeschäft der britischen Mecom-Gruppe. Dazu gehören unter anderen die "Berliner Zeitung" und die "Hamburger Morgenpost".

Berlin - Der Finanzinvestor David Montgomery hat seine deutschen Zeitungen für rund 152 Millionen Euro (135 Millionen Pfund) an den Kölner Verlag M. DuMont Schauberg verkauft. Das teilte Mecom, die Unternehmensgruppe Montgomerys, am Dienstag in London mit. Mit dem Erlös will Mecom den Angaben zufolge seine Schulden verringern.

Von "Berliner Zeitung" bis "Tip": Die DuMont-Titel nach der Übernahme der BV Deutschen Zeitungsholding
Die Arbeitsverträge, Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge behalten ihre Gültigkeit, teilte der Konzernbetriebsrat des Berliner Verlags mit. Der Kauf soll im ersten Quartal abgeschlossen sein und muss noch von den Mecom-Aktionären sowie vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

M. DuMont Schauberg hatte sich bereits 2005 um den Kauf der "Berliner Zeitung" bemüht. Damals erhielt jedoch das umstrittene Finanzkonsortium um Montgomery den Zuschlag für das Blatt. Zuvor hatte die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck vergeblich versucht, die "Berliner Zeitung" mit dem Konkurrenzblatt "Tagesspiegel" zu fusionieren. Das Bundeskartellamt untersagte den Zusammenschluss.

Zu DuMont Schauberg gehören neben dem Kölner "Express" und dem "Kölner Stadt-Anzeiger" unter anderem auch die "Frankfurter Rundschau". Deren Chefredakteur Uwe Vorkötter hatte die "Berliner Zeitung" 2006 wegen des Sparkurses von Montgomery verlassen. Mit dem Kauf des Berliner Verlags stärkt DuMont Schauberg, der viertgrößte Zeitungsverlag Deutschlands, seine Position auf dem deutschen Regionalzeitungsmarkt. Die deutschen Titel von Mecom erreichen zusammen täglich rund eine Millionen Leser.

Montgomery war 2005 mit seiner Firma Mecom durch den Kauf des Berliner Verlags, zu dem auch der "Berliner Kurier" und das Stadtmagazin "Tip" gehören, in den deutschen Zeitungsmarkt eingestiegen. Das Unternehmen gründete die BV Deutsche Zeitungsholding und kaufte den Hamburger Morgenpost Verlag mit der "Hamburger Morgenpost" sowie das Internetportal "Netzeitung" dazu.

Seither sorgten die Sparpolitik und Renditeziele des Investors immer wieder für großen Unmut in den betroffenen Redaktionen. Auch die Entscheidung, den Chefredakteur der "Berliner Zeitung", Josef Depenbrock, gleichzeitig zum Geschäftsführer des Verlags zu ernennen, war auf heftigen Widerstand gestoßen.

Der Redaktionsausschuss der "Berliner Zeitung" äußerte sich erfreut über den Verkauf von Montgomerys BVZ Deutsche Mediengruppe an DuMont. Der Rückzug der Mecom-Investoren zeige, dass "Heuschrecken" auf dem Berliner Zeitungsmarkt zum Scheitern verurteilt seien.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) erklärte, der Verkauf sollte der erste Schritt "in eine publizistische Zukunft der gebeutelten Zeitungen sein". Der Kampf zwischen Redaktion und Geschäftsführung müsse ein Ende haben. Die Gewerkschaft Verdi forderte, die "Hamburger Morgenpost" und die Zeitungen des Berliner Verlags selbstständig fortzuführen. Versuche, die "Hamburger Morgenpost" zu einer Außenstelle einer Boulevard-Zeitungsgruppe wie zum Beispiel "Berliner Kurier" oder Kölner "Express" zu machen, würden auf denselben Widerstand bei den Beschäftigten treffen wie zu Montgomerys Zeiten.

manager-magazin.de mit Material von ddp und dpa

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH