Dienstag, 20. Februar 2018

Schnurlostelefone Alter Standard ab Januar verboten

Gespräche mit dem falschen schnurlosen Telefon zu führen, kann ab Anfang nächsten Jahres teuer werden. Wer dann noch Geräte mit dem CT1+ oder CT2-Standard benutzt, muss bis zu 2000 Euro Strafe zahlen. Um die Telefonsünder zu überführen, stehen schon Peilwagen der Bundesnetzagentur bereit.

Berlin - Ab dem 1. Januar 2009 ist in Deutschland der Betrieb sämtlicher Funktelefone der Standards CT1+ sowie CT 2 verboten. Damit läuft die schon 1998 angekündigte befristete Zulassung von Telekommunikationsgeräten in den Frequenzbereichen 885-887, 930-932 und 864-868 Megahertz aus. Diese Frequenzen werden teilweise ab 2009 als Erweiterungsband für die Handynetze von E-Plus und O2 genutzt.

Zehn Jahre Übergangszeit: 1998 wurde das Aus für analoge Schnurlostelefone angekündigt
DDP
Zehn Jahre Übergangszeit: 1998 wurde das Aus für analoge Schnurlostelefone angekündigt
Nach Angaben von Manfred Breul, Bereichsleiter Telekommunikation beim Branchenverband Bitkom, haben die großen Hersteller darauf bereits vor Jahren reagiert und die Produktion der analogen Geräte zugunsten des abhörsicheren DECT-Standards eingestellt. Aus Fernost seien in der Folgezeit jedoch noch viele Billigimporte nach Deutschland gelangt. "Es kann also durchaus sein, dass in diesem Jahr noch Geräte nach analogem Standard verkauft worden sind", warnt er. Darum sei es schwierig zu schätzen, wie viele solcher Telefone momentan noch im Gebrauch sind.

Um zu ermitteln, ob Verbraucher mit ihrem Telefon auch nach dem Jahreswechsel noch anrufen können, empfiehlt sich nach Angaben Breuls ein Blick in die Bedienungsanleitung. "Sollte die nicht mehr vorhanden sein, kann man auch die Typenbezeichnung des Telefons in eine Internetsuchmaschine eingeben und so die nötigen Informationen bekommen", rät der Experte. Schließlich helfe auch ein einfacher Test.

Dafür muss man sich bei einem Testgespräch immer weiter von der Basisstation entfernen. Bei analogen Geräten reißt die Verbindung nicht schlagartig ab, wird jedoch durch ein zunehmendes Rauschen überlagert. Kommt es mit wachsender Entfernung zur Basisstation zu abrupten Aussetzern ohne vorherige Rauschzunahme, wie sie bei schlechten Handverbindungen bekannt sind, dann handelt es sich um ein DECT-Telefon.

Die Telefonstandards DECT und CT
DECT steht für "Digital European cordless telecommunications" und wurde 1992 eingeführt als europäischer Standard für digitale Funkübertragung, der insbesondere bei schnurlosen Telefonen die Schnittstelle zwischen mobilem Handgerät und Basisstation definiert. DECT löste die analogen europäischen Standards CT 1 und CT 1+ ab. Diese sind in Deutschland ab 1. Januar 2009 verboten, da die Bandbreiten von Mobilfunkanbietern genutzt werden.

Vorteile von DECT sind die hohe Sprachqualität und Abhörsicherheit, die Identifikation von Mobilteil und Basisstation und die Teilnehmeridentifikation. Mit DECT können bis zu zwölf Handgeräte an die Basisstation angeschlossen werden. DECT arbeitet zwischen 1,88 und 1,90 GHz, CT1+ und CT2 zwischen 885-887, 930-932 und 864-868 MHz.

Quelle: ddp, Brockhaus
Wer ein analoges Gerät hat, sollte es in der Sammelstelle für Elektro- und Elektronikgeräte in seiner Kommune kostenlos abgeben. Eine Entschädigung gibt es nach Angaben Breuls nicht, wer aber erst kürzlich ein analoges Telefon gekauft hat - die als besonders umweltfreundlich speziell in Kreisen von Elektrosmog-Gegnern galten - solle zum Händler gehen und ihn bitten, das Gerät gegen eines nach dem DECT-Standard umzutauschen. Speziell beim Internetkauf in Übersee oder Asien rät Breul den Verbrauchern, genau die Details des Gerätes zu studieren: "Wer sich nicht informiert, ist sonst leider selbst schuld."

Auf Nutzer der bald verbotenen Telefone nach dem Standard CT1+, kommen hohe Kosten zu. Um diese Nutzer zu ermitteln, fahren Messwagen der Bundesnetzagentur durch Wohngegenden oder gehen Anzeigen nach. "Der Aufwand zur Ermittlung der Störquelle kann zwischen 1000 und 2000 Euro betragen und wird dem Nutzer des Telefons von der Bundesnetzagentur in Rechnung gestellt." Zusätzlich könne auch noch ein Ordnungsgeld verhängt werden. Auf Milde dürften die Nutzer dabei nicht setzen. "Es gibt ja schon seit zehn Jahren eine Übergangsfrist. Irgendwann muss auch mal Schluss sein", sagt der Experte.

Ralph Bauer, ddp

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